Ein mögliches Ende des EU-Kartellverfahrens treibt die SAP-Aktie an. Am Freitag legte das Papier fast vier Prozent zu — ein seltener Lichtblick in einem schwierigen Jahr.

Zugeständnisse könnten Milliardenstrafe abwenden

Seit September 2025 untersucht die EU-Kommission SAP wegen möglichen Marktmachtmissbrauchs. Der Vorwurf: Das Unternehmen erschwere Kunden systematisch den Wechsel zu Wettbewerbern — klassische Lock-in-Effekte bei Wartungs- und Supportverträgen.

SAP bietet nun Zugeständnisse an. Konkret geht es um erweiterte Interoperabilität und mehr Transparenz bei Gebühren, besonders bei Wiedereinstiegsgebühren für Support-Verträge. Stimmt die EU-Kommission zu, könnte das Verfahren ohne Geldstrafe enden. Ursprünglich drohten Bußgelder von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Die Kommission hat bereits ein Feedback-Verfahren eingeleitet. SAP selbst rechnet laut Berichten nicht mit wesentlichen Auswirkungen auf seine Finanzergebnisse.

Rückkaufprogramm stützt den Kurs

Parallel läuft ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm. Die laufende Tranche sieht Käufe von bis zu 2,6 Milliarden Euro bis Juli 2026 vor. Das Gesamtprogramm reicht bis Ende 2027 und umfasst bis zu zehn Milliarden Euro. In der ersten Tranche kaufte SAP bereits rund 16,3 Millionen Aktien zurück — zu einem Durchschnittspreis von 161,16 Euro. Der aktuelle Kurs liegt deutlich darunter.

Mit 136,16 Euro notiert die Aktie gut vier Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von fast 33 Prozent zu Buche.

Analysten sehen erhebliches Aufholpotenzial

Das durchschnittliche Kursziel aus 33 Analystenschätzungen liegt bei 221,85 Euro. Das entspricht einem Potenzial von rund 64 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Die Mehrheit empfiehlt die Aktie zum Kauf.

Den nächsten konkreten Prüfstein liefert der 23. Juli 2026. Dann präsentiert SAP seine Quartalszahlen für das zweite Quartal. Marktbeobachter werden vor allem den Cloud-Auftragsbestand und die Cloud-Bruttomarge genau verfolgen — als Gradmesser dafür, ob SAPs KI-Strategie kommerziell trägt.