OpenAI für Deutschland, EU-Verfahren im Nacken – SAP navigiert zwischen Mega-Chance und Regulierungsrisiko. Während Goldman Sachs weiter auf „Buy“ setzt und das KI-Potenzial preist, zittern Anleger vor der Brüsseler Kartellkeule. Kann der Walldorfer Softwareriese beide Fronten meistern?

Die strategische Partnerschaft mit OpenAI und Microsoft für einen souveränen KI-Dienst im deutschen öffentlichen Sektor unterstreicht SAPs Ambitionen im Bereich Business AI. Doch zeitgleich droht Ungemach aus Brüssel: Die EU-Kommission prüft mögliche Wettbewerbsverzerrungen bei Wartungsdiensten.

Goldman Sachs bleibt optimistisch

Die US-Investmentbank bestätigte heute ihre „Buy“-Empfehlung für SAP. Analyst Mohammed Moawalla zeigt sich zuversichtlich für das bevorstehende S/4 HANA-Geschäft, warnt aber vor längeren Verkaufszyklen im schwierigen makroökonomischen Umfeld.

Die Kernargumente der Analysten:
– Robustes S/4 HANA-Geschäft erwartet
– Erhebliches mittelfristiges Wachstumspotenzial
– Migrationszyklus als nachhaltiger Treiber
– Zusätzliche KI-Chancen verstärken Aussichten

Regulatorische Hürden bremsen die Euphorie

Die EU-Kommission hat ihre Untersuchung zu SAPs Marktpraktiken verschärft. Im Fokus stehen mögliche Benachteiligungen von Konkurrenten bei Wartungs- und Unterstützungsdiensten für On-Premises-ERP-Software.

Brüssel befürchtet, SAP könnte seine Marktmacht missbraucht haben – mit der Folge weniger Auswahl und höherer Kosten für europäische Kunden. Diese regulatorische Unsicherheit sorgt bei Investoren für Nervosität und könnte die positive KI-Story überschatten.

Entscheidung am 22. Oktober

Klarheit bringen könnten die Q3-Zahlen am 22. Oktober. Dann zeigt sich, ob SAP die strukturellen Wachstumstreiber im herausfordernden Wirtschaftsumfeld ausspielen kann. Die Bank of America hatte SAP kürzlich als „Top Pick“ bestätigt und sieht das Unternehmen durch Software-Upgrade- und Migrationszyklen strukturell gestützt.

Charttechnisch testet die Aktie nach den jüngsten Verlusten wichtige Unterstützungsniveaus. Bei rund 226 Euro kämpft der Titel um Stabilität – zwischen KI-Hoffnung und Kartellsorgen.