SAP steckt in der Krise. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten 47,74 Prozent an Wert verloren. Nun zieht Vorstandschef Christian Klein die Notbremse. Er macht die technologische Neuausrichtung des Softwarekonzerns zur unmittelbaren Chefsache.

Projekt Fuji startet

Ab dem 1. Juli 2026 greift Klein direkt in die Produktentwicklung ein. Unter dem Codenamen „Projekt Fuji“ verantwortet er künftig zentrale Bereiche wie die Business Suite. Der bisherige Entwicklungschef Muhammad Alam gibt seine Aufgaben ab. Sein Vertrag läuft im März 2027 regulär aus. Die direkte Steuerung durch den CEO soll die internen Strukturen verschlanken. SAP will künstliche Intelligenz unter dem Motto „All in on AI“ schneller in die eigenen Geschäftsprozesse integrieren.

Gefahr durch neue Konkurrenten

Der massive Bewertungsverlust spiegelt die wachsenden Ängste der Investoren wider. Neue Technologien bedrohen das traditionelle Geschäftsmodell. Die Folge: KI-Agenten und „Visual Coding“-Plattformen drängen auf den Markt. Damit können Unternehmen komplexe Prozesse bald ohne klassische Enterprise-Software abbilden. Parallel dazu kühlt die allgemeine KI-Euphorie an den Börsen ab. Kapital fließt derzeit eher in defensive Sektoren. Investoren fordern von SAP nun kurzfristig sichtbare Erträge statt langfristiger Versprechen.

Analysten bleiben optimistisch

An der Börse notiert das Papier aktuell bei 134,94 Euro. Damit handelt der Kurs nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. Trotz dieser Talfahrt sehen viele Analysten deutliches Aufwärtspotenzial.

Der Marktkonsens beziffert das durchschnittliche Kursziel auf gut 218 Euro. Einige Häuser positionieren sich allerdings vorsichtiger. J.P. Morgan stuft den Titel auf „Hold“ ein und ruft 175 Euro auf. Piper Sandler sieht das Ziel bei 170 Euro.

Aktionäre blicken nun auf den 23. Juli 2026. Dann präsentiert SAP die Zahlen für das zweite Quartal. Dieser Termin liefert erste harte Fakten zur neuen Strategie. Der Bericht wird zeigen, ob die KI-Integration bereits messbare finanzielle Erfolge bringt.