SAP fährt den Rotstift aus. Der Softwarekonzern friert Neueinstellungen ein, kürzt Reisebudgets und deckelt Ausgaben bei Lieferanten. Der Grund: Die KI-Wende kostet mehr, als der Vorstand eingeplant hatte. Anleger reagieren nervös – die Aktie fällt auf ein neues Jahrestief.

Kurs rutscht auf neues Tief

Die SAP-Aktie notiert aktuell bei 134,70 Euro und verliert am Donnerstag weitere 2,72 Prozent. Bereits am Mittwoch war der Titel deutlich gefallen und schloss bei 138,46 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,38 Prozent, auf Monatssicht sind es 13,28 Prozent.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie 33,32 Prozent verloren. Zum Hoch von 266,00 Euro vor einem Jahr fehlen inzwischen 49,36 Prozent. Der Kurs liegt nur noch 2,98 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, das Ende Juni markiert wurde.

Auch die technischen Indikatoren zeigen kein Erholungssignal. Der RSI steht bei 41,5 und damit im neutralen Bereich. SAP handelt derzeit klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 145,77 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 179,14 Euro. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei hohen 45,69 Prozent.

Radikaler Sparkurs im Konzern

Auslöser der jüngsten Schwäche ist ein internes Vorstandsmemo. SAP verschickte es am 2. Juli 2026. Der Konzern friert darin nahezu alle Neueinstellungen außerhalb der KI-Sparte ein. Nicht-essenzielle Geschäftsreisen pausiert SAP komplett, auch Lieferantenausgaben kürzt der Konzern.

Neue Stellen besetzt SAP künftig fast nur noch im KI-Bereich. In anderen Abteilungen gilt weitgehend Einstellungsstopp. Reisebudgets genehmigt der Konzern nur noch für Kundentermine oder KI-Projekte.

Zur Kontrolle hat SAP zudem den „Spend Council“ reaktiviert. Das Gremium prüft sämtliche Ausgaben für Einkauf und externe Dienstleister. Finanzvorstand Dominik Asam begründet die Maßnahmen intern mit den hohen Betriebskosten für KI-Modelle. Besonders die Token-Verbräuche in Sprachmodellen treiben demnach die Kosten.

Verpasste Übernahme verschärft den Druck

Zusätzlich zur Sparrunde belastet ein gescheiterter Deal die Stimmung. SAP wollte das Industrie-KI-Unternehmen Cognite übernehmen. Cognite entschied sich stattdessen Ende Juni 2026 für einen Cash-Deal mit Schneider Electric im Volumen von 3,1 Milliarden Dollar.

Der geplatzte Zukauf zeigt aus Marktsicht ein Problem. SAP tut sich schwer, wichtige geistige Eigentumsrechte und Talente gegen aufstrebende KI-Konkurrenten zu sichern. Der Markt quittiert das mit Skepsis. Die Sorge: Der scharfe Sparkurs drückt kurzfristig auf die Marge und bremst zugleich das Wachstum im Kerngeschäft.

Blick auf die Quartalszahlen

Am 23. Juli 2026 legt SAP die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor. Die Veröffentlichung ist für 22:05 Uhr angesetzt, um 23:00 Uhr folgt die Telefonkonferenz mit Analysten. Bis dahin gilt für den Konzern die Quiet Period.

Im Fokus der Investoren steht vor allem der Cloud-Auftragsbestand. Dieser war zuletzt währungsbereinigt um 25 Prozent gewachsen. Bestätigt SAP dieses Tempo am 23. Juli, könnte das ein erstes Signal für eine Stabilisierung liefern.