SAP hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal für den kräftigsten Kurssprung seit Monaten gesorgt. Der Softwarekonzern übertraf die Erwartungen im Cloud-Geschäft deutlich, musste gleichzeitig aber seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr zurücknehmen. Die Aktie schloss am Montag bei 150,74 Euro und legte damit um 7,29 Prozent zu – der stärkste Tagesgewinn seit langem, nachdem das Papier zuvor monatelang unter Verkaufsdruck gestanden hatte.

Cloud-Geschäft übertrifft die Erwartungen

Im zweiten Quartal erzielte SAP einen Umsatz von 9,88 Milliarden Euro, ein Plus von 9 Prozent. Der Nettogewinn kletterte um 25 Prozent auf 2,21 Milliarden Euro, das Ergebnis je Aktie lag bei 1,89 Euro. Besonders das Cloud-Geschäft überraschte positiv: Die Cloud-Umsätze wuchsen um 22 Prozent, der Cloud-Auftragsbestand legte um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis stieg um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro. Damit lieferte SAP genau jene Signale, auf die Anleger nach den schwachen Vormonaten gewartet hatten – der Kurssprung an der Börse fiel entsprechend deutlich aus.

Der DAX profitierte am selben Handelstag von den SAP-Gewinnen und legte laut dpa-AFX um 1,04 Prozent auf 25.361,03 Punkte zu, gestützt zusätzlich von einer Feuerpause im Iran-Konflikt und einem besser als erwarteten Ifo-Geschäftsklimaindex. SAP zählte damit zu den Schwergewichten, die den deutschen Leitindex an diesem Tag nach oben zogen.

Prognosekürzung trübt das Bild

Trotz der starken operativen Zahlen senkte das Management die Prognose für das Wachstum des operativen Gewinns im Gesamtjahr auf eine Spanne von 13 bis 17 Prozent, zuvor waren 14 bis 18 Prozent avisiert. Als Gründe nannte das Unternehmen die Übernahmen von Dremio und Prior Labs sowie steigende Investitionen in Künstliche Intelligenz. Genau dieser Punkt beschäftigt nun auch die Analysten: Wachstum ja, aber zu welchem Preis für die Marge?

Berenberg reagierte am Montag mit einer Kurszielsenkung von 215 auf 205 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. Die Analysten begründeten den Schritt mit steigendem Kostendruck durch KI-Investitionen, der auf die Marge drücke. Auch Goldman Sachs senkte das Kursziel, von 230 auf 215 Euro, ebenfalls mit „Buy“-Einstufung. Der zuständige Analyst Mohammed Moawalla verwies dabei auf den robusten Cloud-Auftragsbestand und eine starke Produkt-Pipeline als Argumente für die weiterhin positive Einschätzung. Weitere Häuser bewerten die Aktie uneinheitlicher: Die genannten Kursziele reichen von rund 120 bis 210 Euro, was die Bandbreite der Einschätzungen zwischen Wachstumsstory und Margenrisiko widerspiegelt.

KI-Kosten als branchenweites Thema

Der Spagat zwischen KI-Investitionen und Profitabilität beschäftigt derzeit nicht nur SAP. Auch bei anderen Technologiekonzernen sorgen hohe Ausgaben für Rechenzentren und KI-Infrastruktur für Diskussionen unter Anlegern. SAP selbst ist zudem an einer neuen Initiative beteiligt: Nvidia gründete am Montag die Open Secure AI Alliance, ein Bündnis mit mehr als 40 Partnern – darunter neben SAP auch Microsoft, Siemens und IBM –, das gemeinsame Sicherheitsstandards für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz etablieren soll. Die Initiative wird von der Linux Foundation unterstützt.

Wie es an der Börse weitergeht

Nach dem kräftigen Kurssprung bleibt die entscheidende Frage, ob sich daraus eine nachhaltige Trendwende entwickelt. Die Aktie notiert weiterhin 14,46 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass der übergeordnete Abwärtstrend der vergangenen Monate trotz des jüngsten Sprungs noch nicht überwunden ist. Anleger dürften daher genau beobachten, ob sich die starken Cloud-Zahlen in den kommenden Quartalen bestätigen und ob die gesenkte Gewinnprognose tatsächlich der letzte Anpassungsschritt bleibt.