Die SAP-Aktie hat innerhalb eines Jahres fast die Hälfte ihres Werts verloren. Jetzt setzt CEO Christian Klein alles auf eine Karte: Künstliche Intelligenz. Der Umbau trägt einen Codenamen, der nach James-Bond-Mission klingt — „Project Fuji“.

Am Freitag schloss die Aktie bei 138,50 Euro, ein Plus von 0,13 Prozent. Auf Jahressicht steht trotzdem ein Minus von 31,44 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 265,75 Euro aus dem Juli 2025 fehlen inzwischen 47,88 Prozent.

Klein übernimmt die KI-Entwicklung persönlich

Christian Klein hat die Leitung der KI-Produktentwicklung selbst übernommen. Unter „Project Fuji“ verschiebt SAP massiv Ressourcen in Richtung Künstlicher Intelligenz. Damit das Geld reicht, greift das Management zu harten Mitteln.

Ein Einstellungsstopp bremst den Personalaufbau. Nicht-essenzielle Geschäftsreisen sind eingeschränkt. Die frei werdenden Mittel fließen direkt in die „Autonomous Suite“ — SAPs Antwort auf die autonome Unternehmenssoftware der Zukunft.

Parallel dazu lief der operative Betrieb weiter. Am Freitag, den 10. Juli 2026, startete SAP planmäßig den Release-Zyklus 2608. Er bringt unter anderem Neuerungen für „SAP Digital Manufacturing“ — einen Baustein der Cloud-Plattformstrategie.

Abhängigkeit von US-Technologie sorgt für Sorgenfalten

Der digitale Assistent „Joule“ nutzt Claude von Anthropic als Kernkomponente. Genau das macht Analysten nervös. Jüngste Berichte über mögliche US-Exportkontrollen für fortschrittliche KI-Modelle zeigen, wie verwundbar europäische Softwarekonzerne durch fremde Technologie werden können.

JPMorgan bleibt bei „Neutral“ und einem Kursziel von 175 Euro. Die Begründung: Ob die Sparmaßnahmen tatsächlich in den Margen ankommen, zeigt sich erst in den kommenden Quartalen. Zum aktuellen Kurs liegt das Kursziel damit rund 26 Prozent höher als die Notierung.

Charttechnik zwischen zwei Linien

SAP befindet sich derzeit in der „Quiet Period“. Vor der Zahlenvorlage am 23. Juli 2026 äußert sich das Unternehmen nicht offiziell zum Geschäftsverlauf. Anleger dürften daher verstärkt auf US-Techwerte und die Branchenstimmung schauen.

Charttechnisch bewegt sich die Aktie zwischen zwei Marken. Unten wartet das 52-Wochen-Tief bei 130,80 Euro, nur 5,89 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Oben liegt der 50-Tage-Durchschnitt bei 145,72 Euro — für SAP derzeit außer Reichweite.

Der RSI von 45,8 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand. Die annualisierte Volatilität von 38,49 Prozent zeigt aber: Für ruhige Nerven sorgt dieses Papier gerade nicht. Am 23. Juli muss SAP liefern — und zeigen, ob KI-Fokus und Kostenkontrolle bereits im Cloud-Backlog sichtbare Spuren hinterlassen.