SAP notiert aktuell bei 141,00 Euro. Damit liegt der Kurs nur 7,80 Prozent über dem Jahrestief von 130,80 Euro.
Das Tief markierte die Aktie am 25. Juni. Ein bislang wenig beachteter Faktor rückt jetzt in den Fokus: das laufende Aktienrückkaufprogramm.
Das Management äußert sich derzeit nicht zur Geschäftslage. Seit Ende Juni befindet sich SAP in der sogenannten Quiet Period. Erst am 23. Juli 2026 legt der Konzern die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Diese Nachrichtenlücke trifft eine Aktie, die seit Jahresbeginn bereits 30,20 Prozent verloren hat.
Die entscheidende Frage
Kann das Rückkaufprogramm den Kurs stabilisieren? Der durchschnittliche Einstandspreis der bisherigen Käufe liegt weit über dem aktuellen Niveau. SAP kauft seit Februar 2026 eigene Aktien zurück. Das aktuelle Budget beträgt bis zu 2,6 Milliarden Euro.
In der ersten Tranche erwarb der Konzern rund 16,3 Millionen Aktien. Der durchschnittliche Preis lag bei 161,16 Euro – deutlich über dem aktuellen Kurs. Ob der strukturelle Kaufdruck den fehlenden Newsflow kompensieren kann, entscheidet maßgeblich über die weitere Richtung.
Bullisches Szenario
Für eine Stabilisierung spricht zunächst die reine Kaufkraft des Programms. Auf dem jetzigen, niedrigeren Kursniveau kann SAP eigene Anteile günstiger zurückkaufen als zuvor. Das erhöht den Effekt je eingesetztem Euro.
Hinzu kommt: Das operative Geschäft war bislang nicht der Auslöser der Kursschwäche. Umsatz und Gewinn legten zu. Entscheidend für den Kursdruck war vielmehr das schwächere Wachstum beim Cloud-Auftragsbestand.
Die Zahlen aus dem ersten Quartal liefern Rückhalt. Der Cloud-Auftragsbestand wuchs um 20 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro.
Der Cloud-Umsatz legte um 19 Prozent zu. Der Gewinn je Aktie stieg von 1,52 auf 1,66 Euro. Bestätigt die anstehende Quartalsvorlage diese Dynamik, könnte sich gemeinsam mit dem Rückkaufprogramm ein Boden bilden.
Bärisches Szenario
Dagegen steht ein handfestes Belastungsmoment aus dem Nahost-Geschäft. Ein Großkunde aus der Region fährt seine Aktivitäten voraussichtlich zurück. Das dürfte das Cloud-Umsatzwachstum bis ins zweite Quartal hinein belasten – ausgerechnet in dem Segment, an dem die langfristige Wachstumsstory hängt.
Auch von Analystenseite mehren sich vorsichtige Töne. Goldman Sachs senkte die Prognose für die Bruttomarge im zweiten Halbjahr 2026 auf 72,8 Prozent. Zuvor hatte die Bank noch 73,3 Prozent erwartet. Der Grund: SAP skaliert seine Cloud-Infrastruktur und integriert neue KI-Dienste, was auf die operative Marge drückt.
Charttechnisch bleibt die Lage fragil. Der Kurs notiert 3,71 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 146,43 Euro.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 181,53 Euro beträgt der Abstand sogar 22,33 Prozent – ein Zeichen für einen intakten Abwärtstrend. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 45,49 Prozent. Größere Ausschläge in beide Richtungen bleiben damit jederzeit möglich.
Ausblick
Solange der Kurs oberhalb des Jahrestiefs von 130,80 Euro bleibt, dürfte das Rückkaufprogramm als struktureller Stabilisator wirken. Eine gewisse Bodenbildung erscheint dann möglich.
Rutscht die Aktie dagegen unter diese Marke, deutet das auf ein Scheitern der bisherigen Stützungsversuche hin – und lenkt den Fokus auf mögliche weitere Verkaufswellen.
Der nächste konkrete Katalysator ist die Zahlenvorlage zum zweiten Quartal am 23. Juli 2026. Bis dahin dürfte die Aktie mangels neuer Unternehmensinformationen vor allem vom Sentiment im europäischen Technologiesektor abhängen. Der RSI notiert aktuell bei 48,5 – im neutralen Bereich, ohne überkaufte oder überverkaufte Signale.
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