Ein Aktivist-Investor zündet die nächste Stufe und drängt BlackLine zum sofortigen Verkauf an SAP. Gleichzeitig meldet der deutsche Software-Riese starke Quartalszahlen mit 27% Cloud-Wachstum. Steht SAP vor dem nächsten großen Coup, der die Finanz-Software-Landschaft neu ordnen könnte?

Engaged Capital schlägt zu: „Sofort verkaufen!“

Der Aktivist-Investor Engaged Capital zieht alle Register. In einem offenen Brief an BlackLines Verwaltungsrat fordert Gründer Glenn Welling die „sofortige Einleitung eines strategischen Verkaufsprozesses“. Der Grund: SAP hatte bereits früher in diesem Jahr ein formelles Übernahmeangebot für das Finanz-Software-Unternehmen eingereicht.

Wellings Kritik ist schonungslos. BlackLines Performance sei katastrophal:

  • -8% Kursverlust in den letzten zwölf Monaten
  • -47% Absturz über fünf Jahre
  • Software-Indizes liefen deutlich besser

Die BlackLine-Aktie reagierte prompt und legte im vorbörslichen Handel 4% zu. Der Markt wittert offenbar eine baldige Übernahme.

SAP glänzt mit Rekord-Cloud-Zahlen

Zeitgleich untermauert SAP seine Übernahmeambitionen mit soliden Fundamentaldaten. Die Q3-Zahlen vom 22. Oktober überzeugten auf ganzer Linie. Das Cloud-Geschäft explodierte regelrecht mit 27% Wachstum bei konstanten Wechselkursen auf 5,29 Milliarden Euro.

Besonders stark: Das strategische Cloud ERP Suite-Geschäft wuchs um sagenhafte 31% (bei konstanten Wechselkursen). CEO Christian Klein jubelte: „SAP lieferte ein großartiges Q3 mit starkem Cloud-Umsatzwachstum. Wir gewinnen Marktanteile.“

Die Profitabilität stimmt ebenfalls. Der Betriebsgewinn kletterte um 14% auf 2,57 Milliarden Euro, die Marge verbesserte sich um 1,8 Prozentpunkte auf 28,3%.

BlackLine: Der fehlende Baustein im SAP-Imperium?

Warum ist BlackLine so interessant für SAP? Das Unternehmen automatisiert Finanz- und Buchhaltungsprozesse, die traditionell mühsam in Tabellenkalkulationen abgearbeitet werden. Ein perfekter Fit für SAPs S/4HANA-Strategie.

Der Clou: Bereits 30% von BlackLines Jahresumsatz stammen aus der Partnerschaft mit SAP. Eine Übernahme würde diese Abhängigkeit in eine strategische Stärke verwandeln und die Migration bestehender Kunden zu S/4HANA Cloud beschleunigen.

Für SAP wäre es ein Schachzug, der die Position im wachsenden Finanzmanagement-Software-Markt erheblich stärken würde. Die Frage ist nur: Zu welchem Preis?