SAP reorganisiert seine Führungsstruktur — und setzt damit ein klares Signal, wie ernst der Konzern die KI-Offensive nimmt. Ob die Anleger das honorieren werden, steht auf einem anderen Blatt: Die Aktie notiert auf ihrem 52-Wochen-Tief.

Customer Value Group: Neue Einheit, alter Druck

Zum 1. April tritt die neu geschaffene „Customer Value Group“ in Kraft. SAP bündelt darin die bisherigen Bereiche Customer Success und Customer Services & Delivery unter einer gemeinsamen Führung. Thomas Saueressig übernimmt die Leitung und trägt künftig den Titel Chief Customer Officer. Er verantwortet damit die gesamte Kundenreise — vom Erstkontakt bis zur langfristigen Nutzung von Cloud- und KI-Lösungen.

Der Schritt ist mehr als eine Umbenennungsübung. SAP-Account-Teams sollen künftig stärker an konkreten Ergebnissen gemessen werden: Time-to-Value, tatsächliche Nutzungsraten, realisierte Vorteile. Implementierung und Betrieb werden nicht länger als getrennte Phasen behandelt.

Joule als Herzstück der KI-Strategie

Parallel treibt SAP die Monetarisierung seiner KI-Plattform Joule voran. Seit dem ersten Quartal 2026 ist der Joule Studio Agent Builder allgemein verfügbar — Unternehmen können damit eigene KI-Agenten entwickeln und auf SAPs integriertes Geschäftswissen zugreifen. Drei neue Joule-Agenten speziell für das Supply-Chain-Management automatisieren Aufgaben in Produktionsplanung, Change Management und Supplier-Onboarding.

Der Anspruch ist hoch: KI soll nicht länger ein Differenzierungsmerkmal im Prospekt bleiben, sondern messbare Wertbeiträge in den Kernprozessen der Kunden liefern. Harte Umsatz- und Margenbeiträge aus dem KI-Geschäft werden allerdings erst schrittweise sichtbar.

Kurs auf Jahrestief, Rückkauf läuft

Der Markt quittiert die strategischen Fortschritte bislang zurückhaltend. Mit einem Minus von rund 33 Prozent auf Zwölfmonatssicht und einem Kurs von 164,56 Euro, der exakt dem 52-Wochen-Tief entspricht, steht die Aktie erheblich unter Druck. Belastet wird sie auch durch Sorgen, dass KI langfristig das traditionelle Softwaregeschäft untergraben könnte.

Stützend wirkt ein laufendes Aktienrückkaufprogramm über 10 Milliarden Euro, im Rahmen dessen bis Mitte März bereits knapp 8,5 Millionen Aktien zurückgekauft wurden. Am 23. April legt SAP seine Q1-Ergebnisse vor — dann wird sich zeigen, ob die neue Organisationsstruktur bereits erste Spuren in den Adoption-Raten und im Cloud-Wachstum hinterlassen hat.