40823 beendet – ohne Geldstrafe, aber mit weitreichenden Verpflichtungen. Der Softwarekonzern verpflichtet sich für zehn Jahre zu mehr Flexibilität bei Wartungs- und Supportverträgen für On-Premise-Kunden. Ein unabhängiger Treuhänder überwacht die Einhaltung der Zusagen.
Kunden erhalten mehr Freiheit, Verstöße werden teuer
Kern der Einigung: Kunden können ihren Support-Anbieter künftig pro Subbereich frei wählen, statt an SAP gebunden zu sein. Ungenutzte Lizenzen lassen sich kündigen, etwa wenn ein Unternehmen innerhalb von zwei Jahren mehr als zehn Prozent seiner Belegschaft abbaut, Insolvenz anmeldet oder eine Implementierung scheitert. Wiedereinstiegsgebühren beim späteren Rückwechsel entfallen komplett, Rückzahlungen bleiben allerdings auf maximal sechs Monate oder die Hälfte der Summe gedeckelt. Hält sich SAP nicht an die Zusagen, drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes – nach aktuellem Stand rund 3,7 Milliarden Euro. Die britische Anwendervereinigung UKISUG begrüßte die Änderungen ebenso wie die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe DSAG.
Die Einigung markiert das Ende eines Verfahrens, das seit September 2025 lief und CIOs weltweit beschäftigt hatte. Wer bislang befürchtete, bei Umstrukturierungen oder Personalabbau auf teuren Wartungsverträgen sitzen zu bleiben, bekommt nun vertraglich abgesicherte Ausstiegsoptionen.
Migration zu S/4HANA bleibt die eigentliche Baustelle
Hinter der kartellrechtlichen Einigung steht ein strukturelles Problem, das SAP-Kunden noch Jahre begleiten wird. Bis zum vierten Quartal 2024 hatten von rund 35.000 ECC-Kunden nur 39 Prozent eine S/4HANA-Lizenz erworben. Der reguläre Support für die ältere ECC-Plattform läuft 2027 aus, eine erweiterte Wartung ist zwar bis 2030 möglich, kostet aber zwei Prozentpunkte mehr. CIOs müssen ihre Support-Strategie also bis 2027 final festlegen – die neu gewonnene Flexibilität bei Vertragswechseln dürfte diesen Umstellungsdruck zumindest finanziell abfedern. Dass die Cloud-Migration bei Bestandskunden voranschreitet, zeigt der Wechsel des Kristallherstellers Swarovski auf SAP Cloud ERP im April 2026.
Aktie bleibt trotz Einigung unter Druck
An der Börse hat die Nachricht bislang keine spürbare Erholung ausgelöst. Die SAP-Aktie schloss am Freitag bei 138,50 Euro und legte damit nur um 0,13 Prozent zu. Auf Jahressicht steht seit Jahresbeginn ein Minus von 31,44 Prozent zu Buche, binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs um 47,09 Prozent nahezu halbiert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 265,75 Euro aus dem Juli 2025 trennen das Papier inzwischen 47,88 Prozent, während der Abstand zum erst im Juni markierten 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro nur noch bei 5,89 Prozent liegt. Der Relative-Stärke-Index von 45,8 signalisiert eine neutrale Marktlage, die annualisierte Volatilität von 38,49 Prozent auf 30-Tage-Basis unterstreicht aber die anhaltende Nervosität. Mit einer Marktkapitalisierung von 162,17 Milliarden Euro bleibt SAP dennoch einer der größten Werte im deutschen Leitindex.
Der nächste wichtige Termin für Anleger folgt bald: Die Quartalszahlen zum zweiten Geschäftsquartal stehen für den 23. Juli 2026 an. Erst dann dürfte sich zeigen, ob die kartellrechtliche Entlastung und der fortschreitende Cloud-Umbau operativ Spuren im Zahlenwerk hinterlassen – und ob das die seit Monaten angeschlagene Kursentwicklung stabilisieren kann.
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