SAP kämpft sich zurück. Die Aktie legte in den vergangenen 30 Tagen um 18,14 Prozent zu und steht nun bei 168,78 Euro. Der Haken: Genau jetzt trifft der Kurs auf eine Wand, die über die nächsten Wochen entscheiden dürfte, ob aus der Erholung ein echter Trendwechsel wird.
Cloud-Wachstum trifft auf KI-Wettlauf
Die Erholung hat einen konkreten Auslöser. Im zweiten Quartal steigerte SAP den Umsatz um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro. Die Cloud-Sparte legte sogar um 22 Prozent zu und bleibt der wichtigste Wachstumstreiber.
Parallel dazu stützt SAP den Kurs mit Rückkäufen. Zwischen dem 27. und 31. Juli kaufte der Konzern eigene Aktien für gut 344 Millionen Euro zurück. Trotzdem warnte CEO Christian Klein zuletzt vor der Größe der Aufgabe. Die KI-Transformation sei eine „sehr, sehr große Transformation“, so Klein. Der Druck im globalen KI-Wettlauf nehme weiter zu.
Die Marke, auf die es jetzt ankommt
Charttechnisch läuft alles auf eine Zahl zu: 173,40 Euro. Das ist der 200-Tage-Durchschnitt, und die Aktie liegt aktuell nur 2,66 Prozent darunter.
Schafft SAP den nachhaltigen Sprung über diese Marke, könnte das den langfristigen Abwärtstrend brechen. Zur Erinnerung: Auf Jahressicht steht die Aktie noch immer 32,51 Prozent im Minus. Scheitert der Ausbruch dagegen, drohen Anleger die jüngste Rally als reine Bärenmarkt-Erholung abzustempeln — ein Strohfeuer statt einer echten Wende.
Was für weitere Kursgewinne spricht
Die operative Basis wirkt solide. Ein Cloud-Wachstum von 22 Prozent zeigt, dass der Umbau zum Abonnement-Geschäft funktioniert. Der Auftragsbestand stützt dieses Bild zusätzlich.
Auch von Analystenseite kommt Rückenwind. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 201,55 Euro. Das entspricht einem Potenzial von rund 17 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Zuletzt lag das Momentum klar bei den Käufern: Allein in den vergangenen sieben Tagen gewann die Aktie 7,63 Prozent. Hält das Rückkaufprogramm den Kurs weiter unter Druck nach oben und bleibt die Cloud-Nachfrage stabil, dürfte für viele Marktteilnehmer der Weg Richtung 200 Euro das wahrscheinlichere Szenario bleiben.
Die Risiken: Kosten, Konkurrenz und ein überkaufter Chart
Die Gegenseite der Wette liegt in den Kosten der KI-Transformation. US-Hyperscaler wie Oracle oder Alphabet spüren bereits, wie massive KI-Investitionen den freien Cashflow belasten. Bei Oracle kletterten die Kosten für Kreditausfallversicherungen zuletzt auf ein Rekordhoch.
SAP muss also beweisen, dass eigene KI-Entwicklung nicht auf Kosten der Profitabilität geht. Ein Vorfall wirft dabei Fragen auf: Ein internes Team arbeitete heimlich an einem Konkurrenzprodukt zum Automatisierungstool n8n, bevor der Vorstand das Projekt stoppte. Das nährt Zweifel an der Effizienz der internen KI-Strategie.
Technisch kommt eine weitere Warnung hinzu. Der RSI steht bei 68,7 und nähert sich der überkauften Zone von 70. Kurzfristige Gewinnmitnahmen werden dadurch wahrscheinlicher — trotz der Rally bleibt die Aktie seit Jahresbeginn mit 19,44 Prozent im Minus.
Der nächste Belastungstest kommt schnell
Kurzfristig entscheidet der breite Techsektor mit über die Richtung. Solange die Aktie über dem 50-Tage-Durchschnitt von 145,82 Euro bleibt, spricht das für eine intakte Bodenbildung.
Der erste echte Belastungstest steht bereits an diesem Freitag bevor: der US-Arbeitsmarktbericht, der die Volatilität im DAX und damit auch bei SAP anheizen kann. Scheitert die Aktie am Widerstand bei 173,40 Euro, wäre ein Rücksetzer Richtung 100-Tage-Durchschnitt bei 147,16 Euro das wahrscheinlichere Szenario.
Mittelfristig richtet sich der Blick auf die FOMC-Sitzung Mitte September. Deren geldpolitische Signale dürften die Refinanzierungskosten für die kapitalintensive KI-Transformation im gesamten Sektor neu bewerten — und damit auch, wie teuer SAPs eigener KI-Kurs künftig wird.
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