Die enttäuschenden Ausblicke von ServiceNow und Fortinet verschärfen heute die Debatte über KI-Risiken für SAP. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob starkes Cloudwachstum auch verlässlich steigende Erträge ermöglicht. SAPs Geschäftszahlen liefern dafür ein gemischtes Bild: Die Clouderlöse wachsen kräftig, die Kosten zuletzt allerdings noch schneller.
US-Ausblicke erhöhen den Erwartungsdruck
Bei ServiceNow reichten übertroffene Umsatzerwartungen und höhere Jahresziele für Abonnementumsatz und Cashflow-Marge nicht aus, um Anleger zu überzeugen. Ein leicht verfehlter bereinigter Gewinn und der schwächere Ausblick belasteten die Stimmung. Fortinet wiederum enttäuschte mit einem verlangsamten Umsatzwachstum im Servicegeschäft – trotz angehobener Jahresprognose.
Berenberg-Analyst Nay Soe Naing bezeichnete die Ausblicke auf das Schlussquartal als äußerst enttäuschend. Metzler-Analyst Oliver Frey erklärte laut Reuters, die Ergebnisse belebten die Debatte über eine Verdrängung etablierter Softwareangebote durch KI.
Für SAP liegt darin zunächst ein Warnsignal für die Erwartungen der Anleger, kein Beleg für eine entsprechende operative Schwäche. Die Reaktionen auf die US-Unternehmen verdeutlichen aber: Höhere Jahresziele allein reichen nicht, wenn das erwartete Wachstumstempo nachlässt. Anleger verlangen auch erkennbare wirtschaftliche Ergebnisse der KI-Initiativen.
SAP wächst, aber die Kosten ziehen mit
SAP steigerte den Cloudumsatz im dritten Quartal 2026 um 26 % auf 6,67 Milliarden Euro. Damit steht dem skeptischen Branchenblick ein weiterhin kräftig wachsendes eigenes Geschäft gegenüber.
Entscheidend ist allerdings nicht nur die Nachfrage. Für die Ertragsqualität kommt es ebenso darauf an, wie teuer SAP dieses Wachstum erkauft. Gerade hier zeigt sich die Verbindung zwischen der KI-Debatte und den eigenen Zahlen.
Die Cloudkosten stiegen im selben Quartal um 29 %. Die Cloudbruttomarge sank binnen Jahresfrist von 74,6 % auf 73,9 %. Das Kostenwachstum übertraf damit den Zuwachs der Clouderlöse.
Der Margenrückgang beweist für sich genommen keine Verdrängung durch KI. Er zeigt jedoch, warum die Kostenkontrolle für Anleger neben dem Wachstum an Bedeutung gewinnt. SAP muss steigende Nutzung und neue Funktionen auch wirtschaftlich tragfähig bereitstellen.
Eigene Ziele statt pauschaler Branchenurteile
Für 2026 peilt SAP beim Cloudumsatz sowie beim Cloud- und Softwareumsatz jeweils das obere Ende der Prognosespanne an. Zugleich erwartet das Unternehmen eine leichte Verlangsamung des Wachstums beim Cloud-Auftragsbestand.
Damit liefert SAP sowohl Argumente gegen einen pauschalen Branchenpessimismus als auch Gründe für eine sorgfältige Prüfung der Erwartungen. Die Aktie gewinnt heute 4,0% und widersetzt sich damit den zunächst gemeldeten Belastungen aus dem Softwaresektor.
Die zentrale Bewährungsprobe liegt im Geschäft: SAP muss das hohe Cloudwachstum mit gesunden Margen verbinden. Die US-Ergebnisse erhöhen dafür den Erwartungsdruck, ersetzen aber keine Bewertung der eigenen Entwicklung.
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