Wie viel Preismacht bleibt SAP, wenn die ECC-Frist 2027 Kunden zur Neuentscheidung zwingt und die Anwendergruppe flexible Betriebsmodelle fordert? Über die Folgen für das Cloud-Geschäft spricht die Redaktion mit Andreas Sommer.

SAP (DE0007164600) — Schlusskurse 09.04.2026 bis 06.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.10.2026.

SAP (DE0007164600) — Schlusskurse 09.04.2026 bis 06.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.10.2026.

Trading-Treff Redaktion: Mit dem Ende der regulären ECC-Wartung 2027 müssen viele Kunden ihre Systeme neu aufstellen. Öffnet SAP damit ausgerechnet Wettbewerbern die Tür?

Andreas Sommer: Ja, und das ist das größte Einzelrisiko. Die Konkurrenz sitzt bei der Migration mit am Tisch. Was ich stärker gewichte: Auch Kunden, die bei SAP bleiben, können bessere Bedingungen für hybride Betriebsmodelle verlangen. Kunden gewinnen Verhandlungsmacht.

SAPs tiefe Einbettung in Finanz- und Produktionsprozesse schützt das Geschäft, garantiert aber noch nicht den erhofften Ertrag aus dem Cloud-Wechsel. In den nächsten zwei bis vier Quartalen zählt für mich, ob der Cloud-Umsatz die bestätigte Prognose trägt.

Trading-Treff Redaktion: Sie sagen: „Kunden gewinnen Verhandlungsmacht.“ Wie passt das zu mehr als 12.000 RISE-Verträgen?

Andreas Sommer: Verträge zeigen Bindung. Sie beweisen noch nicht, dass die Kunden jeden Zusatzdienst bezahlen. Kunden verhandeln beim Umbau auch über den Preis.

Trading-Treff Redaktion: Wenn die Bindung also ihren Wert hat, die Preise aber unter Druck stehen: Wie bewerten Sie SAP gegenüber dem Analysten-Konsens?

Andreas Sommer: Mein fairer Wert liegt ungefähr beim Analysten-Konsens. Ich sehe hier keinen großen Bewertungsirrtum. Die Verträge machen künftige Einnahmen besser absehbar; für meine Einschätzung müssen die Kunden den Wechsel zu den neuen Betriebsmodellen allerdings mittragen. Der nächste Auslöser für einen anderen Blick auf SAP sind die kommenden Cloud-Umsätze. Dort wird früher als bei KI-Ankündigungen sichtbar, was aus den Verträgen wird.

Trading-Treff Redaktion: Die Anwendergruppe verlangt flexible Betriebsmodelle und klare Vorgaben für KI. Zeigt das nicht, dass SAPs Strategie an den Kunden vorbeigeht?

Andreas Sommer: Sie ziehen zwei Forderungen zu einem Urteil zusammen. Bei den Betriebsmodellen sitzt der Einwand: Bestehen Kunden länger auf hybriden Lösungen, kann sich der Cloud-Wechsel verzögern. Klare KI-Regeln sind ein anderer Sachverhalt.

Daraus kann für SAP ein Geschäft mit der Steuerung von KI entstehen, sofern Kunden dafür bezahlen. Für meine Sicht auf die nächsten Quartale wiegt die erste Forderung schwerer. Die jüngsten KI-Erweiterungen ändern daran vorerst wenig.

Trading-Treff Redaktion: Angenommen, Kunden halten länger an hybriden Modellen fest: Wann wäre Ihre These zum Cloud-Wechsel widerlegt?

Andreas Sommer: Wenn der Cloud-Umsatz die im Bericht zum zweiten Quartal 2026 bestätigte Jahresprognose verfehlt und Kunden den Wechsel weiter hinausschieben, habe ich den Übergang zu optimistisch beurteilt. An dieser Größe messe ich meine These laufend. Neue KI-Funktionen mögen interessant sein; sie ersetzen keinen Umsatz.

Trading-Treff Redaktion: Sie setzen voraus, dass Kunden den Wechsel zu den neuen Betriebsmodellen mittragen. Überwiegt bei SAP die Zuversicht oder die Skepsis?

Andreas Sommer: Für mich überwiegt vorsichtige Zuversicht. SAPs installierte Basis und die RISE-Verträge rechtfertigen ein faires Niveau von rund 210 Euro. Entscheidend bleibt, wie viel Cloud-Umsatz aus dieser Bindung entsteht. Wenn Kunden den Wechsel ausbremsen, trägt mein Urteil nicht mehr.