Am 23. Juli legt der Softwarekonzern nach Börsenschluss die Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vor, die Telefonkonferenz mit Analysten folgt um 23:00 Uhr MESZ. Seit dem 22. Juni befindet sich das Unternehmen in der sogenannten Quiet Period und äußert sich bis dahin nicht mehr zum Geschäftsverlauf. Die Aktie kommt entsprechend angespannt in die Berichtssaison: Am Freitag schloss das Papier bei 138,50 Euro, ein Minus von 1,81 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht damit ein Verlust von 33,53 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 265,75 Euro aus dem Juli 2025 fehlen dem Kurs mittlerweile 47,88 Prozent.
KI-Offensive über Zukäufe
Während der Kurs schwächelt, treibt SAP seine Übernahmestrategie im Bereich künstliche Intelligenz konsequent voran. Am 17. Juli schloss der Konzern die Übernahme des Freiburger Start-ups Prior Labs ab, das auf tabellarische Foundation Models spezialisiert ist. Die Technologie soll Vorhersagen aus Geschäftsdaten präzisieren, etwa bei Lieferantenrisiken oder Zahlungsverzögerungen. Bereits Anfang Juli, am 6. Juli, hatte SAP den finalen Abschluss der Übernahme der Datenplattform Dremio gemeldet. Diese Akquisition soll die Fähigkeiten im Bereich „Agentic AI“ beschleunigen, indem SAP- und Nicht-SAP-Daten in Echtzeit zusammengeführt werden. Beide Zukäufe unterstreichen, dass SAP seine KI-Strategie derzeit stärker über gezielte Firmenkäufe als über organisches Wachstum vorantreibt.
Auf der Sicherheitsseite lieferte SAP zudem den monatlichen Patchday: Am 14. Juli schloss der Konzern 16 Sicherheitslücken, darunter drei als kritisch eingestufte Schwachstellen in den Produkten NetWeaver, Commerce Cloud und AppRouter.
Kartellverfahren mit der EU beigelegt
Auf regulatorischer Seite kann SAP einen Erfolg verbuchen. Die EU-Kommission beendete am 9. Juli offiziell das Kartellverfahren gegen den Konzern, das sich um die Wartungs- und Supportpraktiken für On-Premise-Lösungen drehte. SAP hatte rechtlich bindende Zusagen für mehr Flexibilität und Transparenz abgegeben. Die deutschsprachige Anwender-Vereinigung DSAG begrüßte gemeinsam mit Partnern wie All for One am 16. Juli die von der EU-Kommission angenommenen Zusagen als Stärkung der Verhandlungsposition der Kunden. Für SAP bedeutet der Abschluss des Verfahrens Rechtssicherheit, dürfte aber zugleich den Preisdruck bei Wartungsverträgen im Bestandskundengeschäft erhöhen.
Analysten mit gemischtem Blick auf die KI-Monetarisierung
Am 15. Juli senkte UBS-Analyst Michael Briest das Kursziel für SAP von 205 auf 164 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. Als Begründung nannte er die hohe Komplexität bei der Monetarisierung der KI-Strategie innerhalb bestehender ERP-Landschaften – ein Hinweis darauf, dass die Zukäufe von Prior Labs und Dremio aus Analystensicht zwar strategisch sinnvoll sind, sich aber nicht kurzfristig in Umsatzwachstum übersetzen. Zusätzlichen Druck erzeugten vorläufige, schwache Quartalszahlen von Wettbewerber IBM am 14. Juli. Marktteilnehmer befürchten seither eine Verschiebung von IT-Budgets weg von Softwarelizenzen hin zu KI-Hardware – eine Sorge, die auch auf SAP abstrahlt.
Rückkaufprogramm läuft parallel zur Berichtssaison
Im Hintergrund läuft weiterhin das im Januar angekündigte Aktienrückkaufprogramm über 10 Milliarden Euro. Die erste Tranche, gestartet am 5. Februar, sieht Rückkäufe von bis zu 2,6 Milliarden Euro bis spätestens zum 27. Juli vor – also nur wenige Tage nach der anstehenden Quartalsvorlage. Auf der Hauptversammlung im Mai hatte SAP zudem eine Dividende von 2,50 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen, ein Plus von 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ausgezahlt am 8. Mai.
Für die Aktie bleibt der 23. Juli der entscheidende Termin. Mit einem Abstand von 5,89 Prozent zum 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro und einem RSI von 47,3 bewegt sich das Papier in einer neutralen Zone – die Zahlen dürften zeigen, ob die KI-Zukäufe operativ Wirkung zeigen oder ob die von UBS beschriebene Monetarisierungslücke die Erwartungen weiter dämpft.
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