SAP steuert auf einen der wichtigsten Bilanztermine des Jahres zu. Nach US-Börsenschluss veröffentlicht der Softwarekonzern am heutigen Donnerstag die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026, geplant für 22:05 Uhr MESZ. Um 23:00 Uhr folgt die Analystenkonferenz.

Die Aktie kommt angeschlagen zum Termin. Am Mittwoch schloss das Papier bei 130,78 Euro, ein Minus von 3,74 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit liegt der Kurs nur noch 0,83 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 129,70 Euro, das erst am Dienstag markiert wurde. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand mittlerweile 25,18 Prozent nach unten. Marktbeobachtern zufolge spiegelt der jüngste Rückgang eine allgemeine Risikoaversion im Softwaresektor wider, verbunden mit Skepsis, ob sich die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz kurzfristig monetär auszahlen.

Konsens erwartet zweistelliges Cloud-Wachstum

Am Kapitalmarkt richtet sich der Blick auf zwei Kennziffern. Analysten erwarten im Konsens einen Gesamtumsatz von 9,85 Milliarden Euro für das zweite Quartal. Beim Cloud-Geschäft, dem zentralen Wachstumstreiber des Konzerns, rechnet der Markt mit einem Plus von rund 22 Prozent auf 6,26 Milliarden Euro. Ob SAP diese Erwartungen trifft, dürfte über die kurzfristige Kursrichtung entscheiden – die niedrige Ausgangsbasis nahe dem Jahrestief lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen.

Milliardenwette auf KI-Infrastruktur

Die Zahlen fallen in eine Phase intensiver strategischer Weichenstellungen. Erst am 17. Juli meldete SAP den Abschluss der Übernahme des Wiener KI-Startups Prior Labs. Über vier Jahre soll das Investitionsvolumen mehr als eine Milliarde Euro betragen. Prior Labs soll dabei als eigenständiges Frontier-AI-Labor für strukturierte Daten innerhalb des Konzerns weiterarbeiten. Bereits Anfang Juli hatte SAP die Übernahme von Dremio abgeschlossen, einem Anbieter einer offenen Data-Lakehouse-Plattform, um die Fähigkeiten im Bereich agentischer KI auszubauen.

Parallel dazu trat zum 1. Juli eine neue Führungsstruktur in den Bereichen Produkt und Engineering in Kraft. Ziel ist die Reorganisation rund um die „SAP Business AI Platform“ und die „Autonomous Suite“. Die Neuausrichtung setzt eine Linie fort, die der Konzern bereits Anfang 2024 mit einem globalen Restrukturierungsprogramm eingeschlagen hatte – ursprünglich für 8.000 Stellen angekündigt, im weiteren Verlauf auf bis zu 10.000 Stellen ausgeweitet, um den Fokus auf Business-KI zu schärfen.

Analystenurteil und Kapitalrückführung

Kurz vor den Zahlen bestätigte Morningstar-Analyst Rob Hales am 17. Juli seine Fair-Value-Schätzung für die SAP-Aktie bei 265,00 Euro und vergab ein 5-Sterne-Rating. Er verwies auf den breiten „Economic Moat“ des Konzerns, sah zugleich aber kurzfristige Unsicherheiten durch Speicherengpässe und Energiekosten. Gemessen am aktuellen Kursniveau liegt diese Einschätzung deutlich über dem, was der Markt derzeit einpreist.

Kritischer diskutiert wird dagegen die Bilanzstruktur: Medienberichten zufolge macht der Firmenwert von rund 29 Milliarden Euro etwa 40 Prozent der Bilanzsumme aus. Trotz des laufenden Restrukturierungsprogramms hat SAP bislang keine Wertminderungen darauf vorgenommen, was einzelne Beobachter als Risikofaktor werten, sollte sich das Wachstum weiter abschwächen.

Auf der Kapitalseite hält der Konzern an seiner Rückkaufstrategie fest. Die erste Tranche des im Januar angekündigten Rückkaufprogramms über 10 Milliarden Euro wurde Anfang April abgeschlossen: 16.280.097 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 161,16 Euro, insgesamt rund 2,6 Milliarden Euro. Zu Jahresbeginn hatten zudem Finanzvorstand Dominik Asam und Vorstandsmitglied Sebastian Steinhäuser eigene Aktienkäufe im sechsstelligen bis niedrigen siebenstelligen Bereich getätigt, damals zu Kursen von 169,20 Euro beziehungsweise 174,00 Euro – deutlich über dem aktuellen Niveau.

Der heutige Abend wird zeigen, ob die milliardenschweren KI-Investitionen bereits operativ Wirkung zeigen oder ob der Markt seine Zurückhaltung bestätigt sieht. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 33,55 Prozent dürfte die Reaktion auf die Zahlen entsprechend ausfallen.