SAP kommt aus der Verkaufszone nicht heraus. Nach einem Minus am Montag rutscht die Aktie auch am Dienstag weiter ab, zuletzt um gut drei Prozent auf 184,82 Euro. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die seit der Analystenabstufung durch UBS in der vergangenen Woche an Fahrt gewonnen hat.
UBS-Abstufung wirkt nach
Auslöser der Verkaufswelle bleibt das Votum von UBS-Analyst Michael Briest, der seine Kaufempfehlung vergangene Woche auf „Neutral“ zurückstufte — bei gleichzeitig angehobenem Kursziel von 201 Euro.
Briest verweist auf den schleppenden Rollout der angekündigten Joule-KI-Agenten: Von mehr als 200 geplanten Anwendungen waren bis zum 25. August erst 17 verfügbar. Zusätzlich rechnet er im zweiten Halbjahr mit einer Verlangsamung beim vertraglich gesicherten Cloud-Auftragsbestand, während die Bruttomarge im Cloud-Geschäft erstmals seit 2021 rückläufig war.
Andere Häuser sehen das differenzierter. UBS selbst zählt SAP in einer separaten Einstufung weiterhin zu den europäischen Top-Picks im IT-Sektor und begründet dies mit der starken Visibilität des Cloud-Migrationszyklus — nur rund 40 Prozent der Kundenbasis haben bislang auf die neue Plattform umgestellt, was auf einen langen Wachstumszyklus hindeutet. Die jüngste Kursschwäche werten die Analysten dort sogar als attraktiven Einstiegspunkt.
Rally verliert an Schwung
Die aktuelle Konsolidierung folgt auf eine kräftige Erholung. Zwischen dem Sommertief bei 127,50 Euro im Juli und dem Zwischenhoch bei 191,32 Euro am vergangenen Freitag hatte sich der Kurs binnen weniger Wochen um fast 50 Prozent erholt. Nach einem solchen Anstieg wirkt eine Gewinnmitnahme wenig überraschend — zumal die Bewertung nach UBS-Einschätzung inzwischen als angemessen statt günstig gilt.
Hinzu kommt ein insgesamt raues Marktumfeld: Steigende Ölpreise und Zinssorgen rund um EZB und amerikanische Notenbank belasten zum Start in den September, saisonal ohnehin einer der schwächsten Börsenmonate. Zuvor stark gelaufene Werte wie SAP reagieren in solchen Phasen besonders empfindlich auf Rücksetzer.
Operativ bleibt der Konzern dabei auf Kurs. Der Cloud-Auftragsbestand kletterte im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, das Kerngeschäft Cloud-ERP wuchs im selben Tempo. Für das Gesamtjahr hält SAP an seiner Prognose von 23 bis 25 Prozent Wachstum beim Cloud-Umsatz fest. Parallel läuft das laufende Aktienrückkaufprogramm weiter — bis Ende August wurden insgesamt rund 5,86 Millionen Aktien zurückgekauft.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der 21. Oktober. Dann legt SAP die Zahlen zum dritten Quartal vor und muss zeigen, ob sich Briests Sorge um das Cloud-Wachstum bestätigt oder der Konzern die kritischeren Töne der UBS-Abstufung widerlegen kann.
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