Donnerstag brach die SAP-Aktie noch um mehr als sechs Prozent ein — ausgelöst durch den Kurseinbruch beim US-Konkurrenten ServiceNow, nicht durch eigene Nachrichten. Dann kamen die Quartalszahlen. Und die kehrten die Stimmung schlagartig um.

Im ersten Quartal 2026 wuchs der Cloud-Umsatz um 19 Prozent auf knapp sechs Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz stieg um sechs Prozent auf 9,6 Milliarden Euro, der Nettogewinn um neun Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Beim Gewinn je Aktie übertraf SAP mit 1,66 Euro die Analystenschätzung von 1,64 Euro — und lag damit klar über den 1,52 Euro aus dem Vorjahresquartal. Das Betriebsergebnis kletterte nach IFRS um 17 Prozent, währungsbereinigt sogar um 24 Prozent.

Starkes Cloud-Wachstum, aber mit Einschränkung

Der Cloud-Auftragsbestand legte um 20 Prozent zu — ein Signal, dass die Nachfrage nicht nachlässt. SAP bestätigte den Jahresausblick: Für 2026 peilt der Konzern einen Cloud-Umsatz von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro an, was einem Wachstum von 23 bis 25 Prozent entspräche.

Allerdings gibt es einen Haken. Das starke Q1-Wachstum wurde durch quartalsspezifische Effekte begünstigt — im zweiten Quartal dürfte sich das Tempo spürbar verlangsamen. Genau das betont auch DZ-Bank-Analyst Armin Kremser: Operativ sei SAP gut gestartet, das Cloud-Wachstum werde im Jahresverlauf jedoch deutlich zurückgehen. Die DZ Bank senkte den fairen Wert von 150 auf 130 Euro und hält an der Einstufung „Verkaufen“ fest. Trotz des massiven Kursrückgangs sei die Aktie kein Schnäppchen.

Kurskontext: Erholung vom Tief, aber weiter unter Druck

Die Marktreaktion war eindeutig positiv: Die SAP-Aktie schloss am Freitag mit einem Plus von 6,2 Prozent bei 148,74 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 271,60 Euro ist das Papier damit noch immer rund 45 Prozent entfernt — das Jahrestief von 139,12 Euro liegt dagegen nur knapp sieben Prozent zurück.

Hinter dem Kursverfall steckte zuletzt auch ein Narrativ: Anleger stellten das Geschäftsmodell von SAP angesichts wachsender Konkurrenz durch KI-Agenten in Frage. Die Q1-Zahlen sprechen vorerst dagegen — SAP scheint seine Kunden mit eigenen KI-Anwendungen zu überzeugen, statt von ihnen verdrängt zu werden.

Übernahme und regulatorisches Risiko

Parallel zum operativen Geschäft läuft die geplante Übernahme von Reltio, einem Anbieter von Master-Data-Management-Software. Der Abschluss wird für das zweite oder dritte Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Reltio soll helfen, Kundendaten KI-tauglich zu machen — eine strategisch nachvollziehbare Ergänzung.

Offen bleibt das EU-Verfahren zu SAPs On-Premise-Wartungsrichtlinien, das die Kommission im September 2025 eingeleitet hat. Wie weit dieses Verfahren reicht und wann eine Entscheidung fällt, ist bislang nicht absehbar. Die Hauptversammlung am 5. Mai 2026 könnte indes ein nächster Kurstreiber werden — dort steht unter anderem die vorgeschlagene Dividende von 2,50 Euro je Aktie zur Abstimmung.