Ausgangslage

SAP hat in den vergangenen Wochen gleich mehrere Kapitalmarkt-Bausteine bewegt. Am Dienstag reichte der Konzern eine Shelf-Registrierung über bis zu 1,0392 Milliarden US-Dollar für rund fünf Millionen Stammaktien ein, die im Rahmen eines Mitarbeiterbeteiligungsprogramms ausgegeben werden sollen.

Parallel läuft das Aktienrückkaufprogramm 2026 weiter: In der vierten Zwischenmeldung bestätigte SAP, zwischen dem 17. und 21. August 50.000 eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von 182,93 Euro erworben zu haben. Das Gesamtvolumen des laufenden Programms stieg damit auf 5.178.529 Aktien.

Diese Doppelbewegung – neue Aktien für Mitarbeiter auf der einen, Rückkäufe auf der anderen Seite – ist für Anleger deshalb relevant, weil sie zeigt, wie SAP seine Kapitalstruktur derzeit steuert.

Für die Aktie selbst ist der Zeitpunkt heikel: Der Kurs notiert bei 185,14 Euro, nachdem er binnen 30 Tagen um 23 Prozent zugelegt hat. Der RSI von 71,3 signalisiert eine überkaufte Situation. Wer jetzt auf die Meldungen der vergangenen Tage blickt, muss sich fragen, ob die operative Substanz die Bewertung noch stützt.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Punkt für die kommenden Wochen ist nicht die einzelne Kapitalmaßnahme, sondern die Frage, ob institutionelle Investoren ihr Engagement bei SAP ausbauen oder zurückfahren.

BlackRock hatte Mitte August das Überschreiten der 5-Prozent-Schwelle bei den Stimmrechten gemeldet – ein Signal, dass ein Schwergewicht der passiven und aktiven Fondsindustrie sein Gewicht in SAP erhöht hat. Ob sich dieser Trend fortsetzt, dürfte mitentscheiden, wie stabil das aktuelle Kursniveau ist, sollte die Luft aus der jüngsten Rally weiter dünner werden.

Hinzu kommt ein operatives Risiko, das nicht ignoriert werden sollte: SAP veröffentlichte am Freitag Sicherheits-Patches für kritische Schwachstellen in der Commerce Cloud und in Manufacturing Integration and Intelligence, deren CVSS-Score bis zu 10,0 erreichte. Solche Lücken hätten Remotecodeausführung ermöglicht. Ob Kunden daraus Vertrauensfragen ableiten, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Bullisches Szenario

Für optimistische Anleger spricht, dass SAP operativ weiter zukauft und ausbaut. Der Softwarepartner Precisely brachte Mitte August mit „Automate Evolve Cloud Essentials“ eine Lösung auf den Markt, die Governance-Lücken in der SAP-Automatisierung schließen und die Datenintegrität für KI-Initiativen verbessern soll – ein Hinweis darauf, dass das Ökosystem rund um SAP weiterwächst.

Die fortlaufenden Aktienrückkäufe signalisieren zudem, dass der Konzern selbst Vertrauen in die eigene Bewertung hat. Bleibt die Nachfrage nach Cloud-Lösungen robust und setzt sich der Zufluss institutioneller Gelder fort, hätte die Aktie Potenzial, sich auch nach der starken 30-Tage-Bewegung zu stabilisieren.

Bärisches Szenario

Dagegen steht die technische Überhitzung: Mit einem RSI von 71,3 und einem Abstand von 21 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt ist die Aktie kurzfristig anfällig für Gewinnmitnahmen.

Die Ausgabe neuer Aktien im Rahmen der Shelf-Registrierung könnte, sobald sie vollzogen wird, zusätzliches Angebot schaffen und damit den Kurs belasten – auch wenn sie primär der Mitarbeiterbeteiligung dient und keine klassische Kapitalerhöhung am Markt darstellt.

Zudem bleiben die im Sommer bekräftigten Prognoseanpassungen – das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 wurde auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro präzisiert, unter anderem wegen Verwässerungseffekten aus Übernahmen – ein Mahnmal dafür, dass Zukäufe kurzfristig auf die Marge drücken können. Die Volatilität von 43 Prozent auf 30-Tage-Basis unterstreicht, wie schnell sich das Bild drehen kann.

Ausblick

Solange institutionelle Investoren wie BlackRock ihre Positionen halten oder ausbauen und die Rückkäufe weiterlaufen, dürfte der grundsätzliche Aufwärtstrend intakt bleiben, auch wenn kurzfristige Rücksetzer angesichts der überkauften Lage wahrscheinlich sind.

Kippt dagegen die Stimmung – etwa durch neue Sicherheitsbedenken rund um die gepatchten Schwachstellen oder durch Belastungen aus der geplanten Aktienausgabe – könnte die jüngste Kursdynamik rasch ins Gegenteil umschlagen.

Der nächste konkrete Prüfstein folgt am 21. Oktober, wenn SAP die Quartalsmitteilung für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob die operative Story die technische Überhitzung rechtfertigt.