Sartorius liefert an diesem Donnerstag ein Musterbeispiel für einen nervösen Handelstag. Von einem frühen Tief bei 209,50 Euro ging es zeitweise bis auf 233 Euro nach oben, bevor die Vorzugsaktie wieder auf rund 220 Euro zurückfiel. Ein Auf und Ab, das zeigt: Der Markt sucht noch nach der richtigen Einordnung der Halbjahreszahlen.

Die Unterstützung im Bereich um 208 Euro hielt dabei erneut — schon im Juni und erst am Dienstag hatte der Kurs dort Halt gefunden. Belastet hatte in dieser Woche vor allem die enttäuschende Entwicklung des US-Konkurrenten Danaher, dessen schwache Bioprocessing-Sparte Sorgen auf die gesamte Branche übertrug.

Zollrückzahlung verzerrt die Bilanz

Operativ zeigt sich der Labor- und Pharmazulieferer robust. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 2,5 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro. Bereinigt um einen Sondereffekt und währungsbereinigt hätte das Wachstum sogar bei 7,7 Prozent gelegen.

Der Grund für die Diskrepanz: Sartorius zahlt seinen Kunden zu viel berechnete US-Zollaufschläge zurück, nachdem der Supreme Court diese für unzulässig erklärt hatte. Zum Ende des zweiten Quartals flossen bereits 26 Millionen Euro zurück, insgesamt wurden rund 40 Millionen Euro an Erstattungen beantragt. Die Gewinnkennzahlen blieben davon unberührt — das bereinigte Ebitda kletterte um knapp 4 Prozent auf 548 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich auf 30,3 Prozent. Unter dem Strich verdiente der Konzern gut 122 Millionen Euro, nach 81 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich

Bernstein Research bestätigte nach den Zahlen die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 284 Euro und lobte anziehende Margen sowie ein solides erstes Halbjahr. JPMorgan-Analyst Richard Vosser wertete die bestätigte Jahresprognose und das starke bereinigte Wachstum der Bioprozesssparte als beruhigend.

Kritischere Töne kamen von RBC und UBS: Der Zoll-Sondereffekt mache die Zahlen unübersichtlich, die Umsatzentwicklung bleibe leicht hinter den Erwartungen zurück. Für die Sorgen rund um den Wettbewerber Danaher gab es aber Entwarnung — UBS wertete dessen Probleme im Bioprocessing-Geschäft als eher isoliertes Problem des US-Konzerns.

Für das Gesamtjahr hält Sartorius an seiner Prognose fest: Ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 5 bis 9 Prozent bleibt das Ziel, wobei die eingerechneten Zollrückzahlungen den Konzern eher an das untere Ende der Spanne bringen könnten. Als operative Marge visiert das Management weiterhin etwas mehr als 30 Prozent an. Wachstumstreiber soll vor allem Asien bleiben, wo sich der chinesische Markt zuletzt erholte.