Liebe Traderinnen und Trader,
die interessanteren Setups liegen heute nicht in den Chip-Schwergewichten, sondern in der zweiten Reihe. Schaeffler markiert mit vorläufigen Quartalszahlen ein neues Jahrestief, ASML legt morgen früh die Zahlen vor, die den Speicher-Abverkauf stoppen oder verstärken können. Und im Krypto-Markt bekommt XRP mit Evernorth sein erstes reines Treasury-Unternehmen an der Nasdaq, während Bitcoin in seiner Spanne verharrt.
Schaeffler: Minus 13,1 Prozent Marge in der E-Mobility
Bei Schaeffler sehen Trader einen Chart ohne erkennbaren Boden. Der Konzern hat heute vorläufige Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und die Aktie darauf im Tief auf 5,66 Euro gedrückt, ein neues 52-Wochen-Tief. Aktuell notiert das Papier bei 5,84 Euro, rund 2,7 Prozent unter dem Vortag und weniger als die Hälfte des Januarhochs von 11,99 Euro.
Der Konzernumsatz lag im Quartal bei 5,8 Milliarden Euro, die bereinigte EBIT-Marge vor Sondereffekten bei 4,2 Prozent. Das eigentliche Problem heißt E-Mobility: Die Sparte setzte 1,3 Milliarden Euro um und schrieb eine operative Marge von minus 13,1 Prozent.
Schaeffler zieht daraus Konsequenzen, stellt das Thermomanagement ein und bucht dafür 2026 eine Einmalbelastung von rund 240 Millionen Euro. Bis 2028 sollen 4.677 Stellen wegfallen.
Die Jahresziele bleiben bestehen, mit einer EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5 Prozent für 2026 und 6 bis 8 Prozent für 2028. Der einzige Wachstumsfunke steckt in der Humanoiden-Robotik, wo der Auftragsbestand auf 400 Millionen Euro gestiegen ist.
Für Trader ist das ein klassischer Kapitulations-Chart: Solange sich 5,66 Euro nicht als Boden bestätigt, haben Käufer keinen Grund zum Einstieg, denn die Sparte mit der schlechtesten Marge ist zugleich die mit dem größten Umbaubedarf.
Speicherchips: Verkauft wird die Dauer des Zyklus, nicht die Zahlen
Der Speicherchip-Abverkauf hat eine neue Stufe erreicht, und morgen früh um 7 Uhr entscheidet ASML über die Richtung. Chinas Speicherhersteller CXMT hat für Ende 2026 Server-DRAM-Module mit einer dichteren Zellarchitektur angekündigt, ohne Spezifikationen oder Kunden zu nennen.
Trotzdem rutschte der KOSPI in Seoul unter die Marke von 6.000 Punkten, SK Hynix verlor 10 Prozent, Samsung Electronics 7,4 Prozent. Beide Werte stellen über die Hälfte der koreanischen Börsenkapitalisierung, und Ausländer verkauften netto Aktien im Wert von mehreren Milliarden Euro.
Micron notiert im US-Handel aktuell rund 5,6 Prozent tiefer bei etwa 939 Dollar; Analysten nennen 820 Dollar als Bären- und 1.200 Dollar als Bullenmarke. Dabei sind die Fundamentaldaten alles andere als schwach: Micron erwartet für das laufende Quartal 61,5 Milliarden Dollar Umsatz bei einer bereinigten Bruttomarge von rund 86 Prozent.
S&P Global hob heute die Bonität des japanischen Speicherherstellers Kioxia auf BBB an und verwies auf außergewöhnlich starke Gewinnprognosen durch KI.
Während die großen Speicherwerte trotz KI-Rückenwind unter Druck geraten, lohnt der Blick auf Unternehmen, die vom Trend profitieren, ohne im Rampenlicht zu stehen. Ein Spezialreport stellt vier solcher KI-Aktien vor, darunter einen nahezu unbekannten Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz, und steht kostenlos bereit. Vier weniger beachtete KI-Titel im Report entdecken
Das ist der Kern des Konflikts: Der Markt preist nicht die Ergebnisse ab, sondern die Dauer des Preiszyklus, und ein chinesischer Anbieter ohne Großserienproduktion reicht dafür bereits aus. Hinzu kommt bei Micron ein hausgemachtes Risiko: Die Belegschaft im taiwanischen Werk Taoyuan hat am 7. Oktober einer Streikfreigabe zugestimmt, eine Schlichtung in Taichung folgt am 22. Oktober.
ASML wird morgen daran gemessen, ob die Zielspanne von 11 bis 12 Milliarden Euro Umsatz bei 55 bis 57 Prozent Bruttomarge erreicht wird. Die ASML-Aktie notiert aktuell bei rund 1.520 Euro, gut 3 Prozent unter dem Vortag; der Optionsmarkt preist eine Bewegung von 5,5 Prozent ein.
XRP: Eigene Treasury-Aktie, dünnes Netzwerk
XRP bekommt seine eigene Treasury-Aktie, und der Markt bleibt erstaunlich ruhig. Evernorth notiert seit dem Wochenstart unter dem Kürzel XRPN an der Nasdaq, mit rund 473 Millionen XRP und etwa 300 Millionen Dollar Barmitteln. Zu den Investoren zählen Ripple, SBI Group, Kraken und Pantera Capital.
Der Haken: Der XRP-Bestand ist beim aktuellen Kurs rechnerisch rund 650 Millionen Dollar wert und liegt damit rund 40 Prozent unter dem Stand beim Vertragsschluss, und 80 Prozent der Investoren des Börsenmantels zogen ihr Geld vorher ab.
Parallel wurde bekannt, dass im XRP Ledger seit 2015 ein Rechenfehler schlummerte, der theoretisch die Erzeugung von XRP über das Limit von 100 Milliarden hinaus erlaubt hätte. Der Fehler wurde am 25. September geschlossen und am 9. Oktober offengelegt.
Positiv ist die institutionelle Seite: Standard Chartered verwahrt Ripples Stablecoin RLUSD künftig über die Dubai-Niederlassung, die Marktkapitalisierung von RLUSD nähert sich 2,5 Milliarden Dollar. Der XRP-Kurs steht aktuell bei 1,37 Dollar, rund 2 Prozent über dem Vortag, seit Jahresbeginn aber 26 Prozent im Minus. Die Zahl neu angelegter Adressen fiel auf rund 376.000, nach 1,48 Millionen im September-Hoch.
Technisch liegt die Unterstützung am 100-Tage-Durchschnitt bei 1,34 Dollar, Widerstände bei 1,38 und 1,40 Dollar sowie in der Zone 1,45 bis 1,50 Dollar.
Wer hier long geht, kauft eine Erholung bei dünner Netzwerkaktivität und einem Monats-RSI auf 13-Jahres-Tief; bricht 1,34 Dollar, nennen Analysten 1,22 Dollar als nächstes Ziel.
Tesla: Der Kurs hängt an Robotaxi und Optimus
Bei Tesla entscheiden die Robotik-Updates über den Kurs, nicht die Quartalszahlen. Tesla liefert am 21. Oktober nach US-Börsenschluss, also in der Nacht auf den 22. Oktober, Quartalszahlen. Der Konsens erwartet 27,9 Milliarden Dollar Umsatz und ein Ergebnis je Aktie von 0,43 Dollar, die Auslieferungen lagen mit 486.532 Fahrzeugen 2,1 Prozent unter dem Vorjahr.
Goldman Sachs hält Updates zu Robotaxi, dem Cybercab-Testbetrieb in Austin und Optimus für wichtiger als die Zahlen selbst. Die Tesla-Aktie stand zuletzt bei 374,53 Dollar, mit Widerstand bei 384 und Unterstützung bei 354 Dollar; das durchschnittliche Kursziel liegt bei 412 Dollar. Bei Investitionen von über 25 Milliarden Dollar und einem negativen freien Cashflow im Vorquartal trägt die Robotik-Fantasie den Kurs, nicht das Autogeschäft.
Vossloh, Formycon und Bitcoin: Bewegungen mit Nachricht
In den Nebenwerten zählen am Dienstag nur zwei Bewegungen, hinter denen eine Nachricht steht. Vossloh verlor nach einer Abstufung durch Oddo BHF 5,6 Prozent und fiel auf das tiefste Niveau seit Anfang 2025; die Analysten erwarten ein durchwachsenes drittes Quartal. Formycon sprang um 12,3 Prozent, weil ein Nachahmerpräparat gegen Krebs in den USA vor der Zulassung steht.
Bei Bitcoin kaufen Unternehmen gegen den ETF-Strom: Strive erwarb vergangene Woche 3.311 Bitcoin für rund 280 Millionen Dollar und hält nun 32.773 Stück, Strategy legte 250 Bitcoin nach. Die US-Spot-ETFs verloren in derselben Woche 679 Millionen Dollar, der Bitcoin-Kurs hält sich bei rund 83.300 Dollar.
Marschroute
Schaeffler hat mit 5,66 Euro die Marke, deren Bruch den Verkaufsdruck verlängert. ASML liefert morgen um 7 Uhr; 1.520 Euro ist der Ausgangspunkt für die eingepreiste Bewegung von 5,5 Prozent. Bei Micron gelten 820 Dollar als Schmerzgrenze und 1.200 Dollar als Erholungsziel.
XRP braucht 1,34 Dollar als Boden und muss 1,45 bis 1,50 Dollar überwinden, Tesla pendelt bis zum 21. Oktober zwischen 354 und 384 Dollar. Bitcoin bleibt zwischen 82.500 und 84.000 Dollar ohne Signal.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 13. Oktober: XRP – Kaufen, halten oder verkaufen?
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