Starker Portfolio-Wert, schwächerer Börsenkurs: Bei Scottish Mortgage Investment Trust läuft gerade ein ungewöhnlicher Bruch durch die Bewertung. Der Fonds profitiert massiv von SpaceX. Der Markt honoriert diese Stärke aber nicht voll, weil die Abhängigkeit von privaten Beteiligungen wächst. Genau dort liegt der Kern der Debatte.
Der Nettoinventarwert inklusive Fair-Value-Anpassungen stieg zuletzt auf 1.500,90 Pence. Kurz zuvor hatte er noch bei 1.493,98 Pence gelegen. Auslöser war eine Neubewertung der Beteiligung an SpaceX.
Am Aktienmarkt sieht das Bild anders aus. Die Aktie notiert bei 16,89 Euro, verliert heute 1,26 Prozent und liegt über sieben Tage 6,25 Prozent im Minus.
SpaceX wird zum Schwergewicht
SpaceX steht inzwischen für 21,0 Prozent der gesamten Vermögenswerte. Ende April waren es noch 17,9 Prozent. Ein einzelnes privates Unternehmen ist damit zum größten Treiber des Fonds geworden.
Das kann Rendite bringen. Es erhöht aber auch das Risiko. Private Bewertungen sind weniger transparent als Börsenkurse und lassen sich im Stressfall schwerer in Liquidität verwandeln.
Neben SpaceX zählen auch ByteDance, Stripe und Databricks zu den wichtigen privaten Beteiligungen. Insgesamt liegt der Anteil nicht börsennotierter Unternehmen bei mehr als 40 Prozent des Vermögens. Kein Wunder, dass der Markt genauer hinschaut.
Rückkäufe verlieren Stützkraft
Das Management hat die Regeln für Aktienrückkäufe verschärft. Rückkäufe sollen nur noch starten, wenn der Kurs unter dem Nettoinventarwert liegt. Damit endet die aktivere Phase, in der der Fonds den Bewertungsabstand stärker bekämpfte.
Der Wechsel ist deutlich. In den vergangenen zwei Geschäftsjahren kaufte Scottish Mortgage 307,7 Millionen Aktien zurück. Das entsprach rund 22 Prozent des damaligen Kapitals und kostete 3,02 Milliarden Pfund.
Allein im vergangenen Geschäftsjahr flossen 1,31 Milliarden Pfund in Rückkäufe. Diese Stütze wirkt nun weniger berechenbar. Für einen Fonds mit großen privaten Positionen ist das ein sensibles Signal.
Hauptversammlung bringt Weichenstellung
Am 2. Juli stimmen die Aktionäre in Edinburgh über mehr Spielraum für private Investments ab. Die bisherige Grenze liegt bei 30 Prozent, zusätzlich existiert bereits eine Ausnahme über 250 Millionen Pfund. Das Management will flexibler an späten Finanzierungsrunden teilnehmen.
Auch die Dividende steht auf der Agenda. Vorgeschlagen ist eine Schlussdividende von 2,97 Pence je Aktie. Die gesamte Ausschüttung für das Jahr läge damit bei 4,57 Pence.
Das wäre ein Plus von 4,3 Prozent. Zugleich würde Scottish Mortgage das Dividendenwachstum im 43. Jahr in Folge fortsetzen.
Eine neue Rückkaufermächtigung soll ebenfalls beschlossen werden. Sie wäre auf 14,99 Prozent der ausgegebenen Stammaktien begrenzt und nur unterhalb des Nettoinventarwerts nutzbar.
Langfristig stark, kurzfristig gereizt
Die Langfristbilanz bleibt stark. Im Geschäftsjahr bis März 2026 stieg der Nettoinventarwert um 27,4 Prozent, die Aktie lieferte eine Gesamtrendite von 26,8 Prozent.
Über zehn Jahre liegt der NAV-Zuwachs bei 435,2 Prozent. Der FTSE All-World kommt im gleichen Zeitraum auf 233,9 Prozent. Scottish Mortgage hat seinen Vergleichsmaßstab damit klar geschlagen.
Die laufenden Kosten helfen dabei. Sie liegen bei 0,33 Prozent des durchschnittlichen Nettoinventarwerts. Eine Performancegebühr fällt nicht an.
Trotz der jüngsten Schwäche steht seit Jahresanfang noch ein Plus von 21,56 Prozent. Der Kurs liegt knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 16,63 Euro, der RSI von 45,0 signalisiert eher neutrale Dynamik.
Am 2. Juli stehen damit drei Signale auf der Tagesordnung: mehr Spielraum für private Investments, die Dividende und eine enger gefasste Rückkaufvollmacht. Ein klares Votum für Flexibilität stärkt die Wachstumsstory; ein knappes Ergebnis würde die Lücke zwischen Portfolio-Wert und Börsenkurs wohl länger sichtbar halten.
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