Der Investmenttrust Scottish Mortgage Investment steht erneut im Fokus der Anleger, weil seine größte Einzelposition kräftig unter Druck geraten ist. SpaceX, mit 25,7 Prozent Portfolioanteil das Schwergewicht im Trust, hat in den vergangenen Wochen massiv an Wert verloren – und zieht damit auch die Debatte um die Bewertung von Scottish Mortgage selbst nach sich.
SpaceX-Position sorgt für Gegenwind
Eine aktuelle Analyse auf Seeking Alpha stuft Scottish Mortgage trotz der Turbulenzen weiterhin mit „Hold“ ein, verweist aber auf die hohe Technologie-Exposure des Fonds. SpaceX hat laut der Analyse rund 14 Prozent an Wert eingebüßt, dennoch habe der Trust den FTSE 100 im zurückliegenden Jahr übertroffen. Der Kursrückgang bei SpaceX fällt in einen breiteren Ausverkauf: Die Aktie schloss zuletzt bei 113,50 Dollar und damit rund die Hälfte unter ihrem Juni-Hoch von 225,64 Dollar, nachdem der Kurs in 16 Handelssitzungen 13 Mal gefallen war. Der Marktwertverlust seit dem Höchststand summiert sich Berichten zufolge auf mehr als 1,2 Billionen Dollar.
Auslöser der jüngsten Nervosität war auch der 13. Teststart der Starship-Rakete am Donnerstag vergangener Woche: Die Landung des Super-Heavy-Boosters scheiterte, weil drei von 13 Triebwerken ausfielen, immerhin wurden 20 Starlink-Satelliten der dritten Generation erfolgreich ausgesetzt. Zusätzlichen Druck erzeugt der bevorstehende Ablauf der Lock-up-Frist Anfang August, wenn Insider bis zu 911,5 Millionen Aktien auf den Markt bringen könnten – ein Termin, den Investoren genau im Blick behalten. Die ersten Quartalszahlen von SpaceX werden am 4. August nach Börsenschluss erwartet.
Nicht alle Marktteilnehmer sehen den Ausverkauf kritisch. Cathie Wood kauft mit ihrem Fondshaus ARK Invest weiterhin bei jedem Rücksetzer zu und begründet dies mit dem Erfolg der Starship-Wasserlandung, den der Kurs ihrer Ansicht nach noch nicht widerspiegele. Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas bekräftigte trotz der Kursverluste seine Kaufempfehlung für SpaceX mit einem Kursziel von 300 Dollar und verweist darauf, dass allein das Raumfahrt-Kerngeschäft den aktuellen Aktienkurs rechtfertige.
Bewertung des Trusts bleibt attraktiv
Für Scottish Mortgage selbst bedeutet die Volatilität der größten Position zunächst vor allem eines: Der Trust handelt laut der Seeking-Alpha-Analyse weiterhin mit einem Abschlag von 11 Prozent zum Nettoinventarwert. Das deckt sich mit der aktuellen Marktbewertung, die den Kurs deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 19,50 Euro zeigt. Zuletzt notierte die Aktie bei 15,64 Euro und gab damit auf Tagessicht 0,48 Prozent nach, nachdem sie in den vergangenen 30 Tagen bereits 5,70 Prozent verloren hatte – ein Rückgang, der die Nervosität rund um die Tech-Schwergewichte im Portfolio widerspiegelt.
Auf Jahressicht bleibt die Bilanz dennoch deutlich positiv: Seit Jahresbeginn steht für Scottish Mortgage ein Plus von 14,24 Prozent zu Buche. Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Schwäche und langfristiger Stärke bringt die Grundproblematik des Trusts auf den Punkt: Wer in Scottish Mortgage investiert, kauft eine Wette auf disruptive Wachstumswerte – mit allen Ausschlägen, die das mit sich bringt.
Blick nach vorn
Die kommenden Wochen dürften für Scottish Mortgage entscheidend bleiben. Die Quartalszahlen von SpaceX Anfang August und der anschließende Lock-up-Ablauf gelten als nächste Belastungsproben für die größte Portfolioposition des Trusts. Analysten sehen die grundsätzlichen Bedenken weniger in der aktuellen Kursschwäche als vielmehr in den generellen Risiken hoher Technologiebewertungen und steigender Investitionsausgaben im KI-Bereich, die das gesamte Portfolio betreffen.
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