Bei Scout24 liegen positive Analystenurteile und deutlich unterschiedliche Kursziele nebeneinander. Bernstein Research bestätigte am Mittwoch „Outperform“ mit einem Ziel von 90 Euro. Berenberg hatte am 12. Oktober eine Kaufempfehlung mit 140 EUR beibehalten.

Die gemeinsame Richtung verdeckt damit einen erheblichen Unterschied bei den Erwartungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie stark künstliche Intelligenz das Geschäft der Immobilienportale gefährden könnte.

KI-Risiko wird unterschiedlich gewichtet

Bernstein-Analystin Annick Maas verwies am Mittwoch auf eigene Tests und eine Szenarioanalyse. Diese deuteten darauf hin, dass die Hürden für eine Ablösung von Immobilienportalen höher seien als von Pessimisten angenommen. Die wiederaufgeflammte Debatte über KI-Agenten belaste Immobilienanzeigen dennoch weiterhin mit einem Verdrängungsrisiko.

Das ist eine Einschätzung zur Widerstandsfähigkeit des Geschäfts, keine Entwarnung durch bereits gemeldete Geschäftsergebnisse. Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Eine weniger pessimistische Bewertung der KI-Gefahr ersetzt keinen Nachweis, wie sich das operative Geschäft entwickelt.

Berenberg-Analyst Chris Armstrong hatte Scout24 am 12. Oktober zu seinen aussichtsreichen europäischen Titeln gezählt. Sein deutlich höheres Kursziel zeigt, wie weit die Erwartungen selbst unter positiv gestimmten Analysten auseinanderliegen. Aus den beiden Empfehlungen ergibt sich deshalb kein einheitlicher Maßstab für das weitere Kurspotenzial.

Die Neubewertung der KI-Sorgen begleitet eine kräftige Erholung: Über 30 Tage hat die Aktie 24% gewonnen. Medienberichten zufolge fehlte beim starken Anstieg am 15. Oktober ein einzelner neuer Unternehmensauslöser. Die Bewegung lässt sich damit nicht schlicht als Reaktion auf eine konkrete neue Geschäftsmeldung einordnen.

Geschäftszahlen als nächster Prüfstein

Am 4. November veröffentlicht Scout24 die Zwischenmitteilung für die ersten neun Monate und das dritte Quartal 2026. Dazu ist eine Analysten-Telefonkonferenz angekündigt. Der Termin bietet die nächste Gelegenheit, operative Ergebnisse neben die derzeitigen Erwartungen an das Unternehmen zu stellen.

Parallel läuft das Rückkaufprogramm weiter. Scout24 meldete am 19. Oktober den Erwerb von 10.877 eigenen Aktien im vorangegangenen Rückkaufzeitraum. Die kumulierte Zahl erreichte damit 2.710.775 Aktien.

Die Rückkäufe sind eine konkrete Unternehmensmaßnahme, beantworten aber nicht die strategische KI-Frage. Entscheidend für die Einordnung bleibt deshalb die Trennung zwischen laufenden Kapitalmaßnahmen, Analystenerwartungen und operativer Entwicklung. Nach der Kurserholung bekommen die angekündigten Geschäftszahlen besonderes Gewicht: Sie liefern den nächsten unternehmensseitigen Prüfstein für den Optimismus.