Ein Gewinnsprung von 62 Prozent, ein Umsatzplus von 20 Prozent — und trotzdem prügelt der Markt die Aktie ab. Scout24 zeigt an diesem Donnerstag, wie sensibel Anleger auf ein einziges schwaches Detail reagieren können, wenn der Rest der Bilanz eigentlich überzeugt.
Der Betreiber von Immoscout24 setzte im zweiten Quartal 193 Millionen Euro um, organisch wuchs das Geschäft um 10,4 Prozent. Kräftig zulegen konnte vor allem das Geschäftskundensegment mit einem Erlösplus von knapp einem Viertel, während das Privatkundensegment mit 8,4 Prozent deutlich langsamer wuchs. Genau hier liegt der wunde Punkt: Die Zahl privater Nutzer blieb hinter den Markterwartungen zurück, und darauf fokussiert sich der Markt derzeit offenbar stärker als auf die soliden Konzernzahlen.
Spanien-Zukauf bremst die Marge
Seit März konsolidiert Scout24 die im Frühjahr übernommenen spanischen Immobilienplattformen. Das treibt das Wachstum, drückt aber vorübergehend auf die Profitabilität. Die EBITDA-Marge aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit sank um 3,1 Prozentpunkte auf 60,2 Prozent — Analysten hatten im Konsens mit 61,1 Prozent gerechnet. Bereinigt um die Spanien-Effekte zeigt sich allerdings ein anderes Bild: Die organische Marge legte um 1,6 Punkte auf 63 Prozent zu.
Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 63,2 Millionen Euro, ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Getragen wurde dieser Sprung von einem besseren Finanzergebnis und einer niedrigeren Steuerquote. Je Aktie entspricht das 0,90 Euro nach 0,54 Euro im Vorjahresquartal.
Der Kurs reagierte mit einem Minus von rund 7 Prozent auf etwa 71 Euro und bleibt damit im Seitwärtstrend seit April, der zwischen 67 und 80 Euro verläuft. Die UBS bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 112 Euro und verwies auf das robuste Wachstum im Geschäftskundenbereich. Bernstein Research sah die Zahlen insgesamt im Rahmen der Erwartungen, bemängelte aber ebenfalls die schwächelnden privaten Nutzerzahlen.
Scout24 hält an seiner Jahresprognose fest: Umsatzwachstum von 16 bis 18 Prozent und eine EBITDA-Marge von bis zu 61 Prozent, organisch bis zu 64 Prozent. Bis 2028 peilt der Konzern laut seinem Kapitalmarkttag im Mai eine Marge von rund 64 Prozent an — die aktuelle Kursreaktion zeigt, dass der Markt bis dahin genau auf die Nutzerentwicklung im Privatkundengeschäft schauen wird.
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