Zwei fehlende Todesfälle in einer klinischen Studie bewegen gerade eine ganze Aktie. Sellas Life Sciences steht kurz vor dem entscheidenden Datenpunkt seiner Phase-3-Studie zur Leukämie-Therapie Galinpepimut-S — und Anleger reagieren mit Nervosität auf jede kleinste Nachricht rund um das Unternehmen.
Die Aktie schloss am Freitag bei 11,30 Euro, ein Minus von 4,64 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 12,06 Prozent zu Buche. Trotzdem liegt der Kurs noch 82,26 Prozent über dem Niveau vor 30 Tagen.
Der Abstand zum Rekordhoch von 15,25 Euro, erreicht am 30. Juni, beträgt inzwischen 25,90 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 1,22 Euro aus dem November 2025 klafft dagegen eine Lücke von 824,71 Prozent. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei über 127 Prozent — ein Wert, der für anhaltend heftige Kursausschläge spricht.
Die REGAL-Studie als zentraler Auslöser
Im Zentrum der Spekulation steht die Phase-3-Studie REGAL. Sie untersucht Galinpepimut-S bei akuter myeloischer Leukämie und benötigt für die finale Überlebensanalyse 80 sogenannte klinische Ereignisse — konkret: Todesfälle von Patienten.
Zum ersten Quartal 2026 waren 78 dieser Ereignisse erfasst. Sellas fehlen damit noch genau zwei Fälle bis zum entscheidenden Auslöser der Studie.
CEO Angelos Stergiou deutet die langsame Ereignisrate gegenüber Investoren positiv. Die Verzögerung könnte darauf hindeuten, dass Patienten unter der Standardtherapie länger überleben als erwartet, so seine Argumentation. Parallel treibt Sellas ein zweites Projekt voran: Im März 2026 startete die Rekrutierung für eine Phase-2-Studie mit dem Wirkstoff SLS009 bei neu diagnostizierten AML-Patienten, erste Topline-Daten werden für das vierte Quartal 2026 erwartet.
Kleine Fonds, große Aufmerksamkeit
Abseits der Studie richtet sich der Blick der Anleger zunehmend auf institutionelle Positionierungen. Aktuelle 13F-Meldungen zeigen ein uneinheitliches Bild bei den Fondsbewegungen.
MassMutual Private Wealth & Trust hielt zum 30. Juni gerade einmal 24 Sellas-Aktien im Depot, ein Wert von rund 354 Dollar. So klein die Position auch ist — angesichts der angespannten Erwartungshaltung vor dem Studienergebnis wird selbst dieser Mini-Einstieg von Marktteilnehmern registriert.
Andere Fonds bewegten sich in unterschiedliche Richtungen. CoreCap Advisors baute eine neue Position von 690 Aktien im Wert von etwa 10.180 Dollar auf. Gamma Investing reduzierte seinen Bestand dagegen um 32 Prozent auf 556 Aktien, während First Financial Bank mit 10.000 Aktien im Wert von 147.600 Dollar deutlich stärker engagiert blieb.
Führungskräfte sichern sich ab
Parallel zur Studienspannung hat Sellas die Abfindungsregelungen für seine Führungsspitze überarbeitet. CEO Stergious neuer Vertrag sieht bestimmte Change-of-Control-Zahlungen künftig als Einmalsumme vor.
CFO John Burns und Chief Development Officer Dragan Cicic erhalten im Fall einer Übernahme künftig 15 Monatsgehälter, Zielboni, COBRA-Erstattungen und eine vollständige Beschleunigung ihrer Aktienoptionen. Analysten werten diese Vertragsänderungen als einen von mehreren Hinweisen auf mögliche Übernahmegespräche — bestätigt sind solche Gespräche bislang nicht. Die Neuordnung falle zeitlich mit der finalen Analyse der Phase-3-Studie zusammen, was Beobachter als Vorbereitung auf eine mögliche Unternehmenstransaktion deuten.
Kapitaldecke solide, Verwässerung bleibt Thema
Finanziell steht Sellas vergleichsweise gut da. Zum 31. März 2026 verfügte das Unternehmen über 107,1 Millionen Dollar an liquiden Mitteln, im zweiten Quartal kamen zusätzliche Einnahmen aus Warrant-Ausübungen hinzu.
Analysten verweisen dennoch auf ein bestehendes Risiko: eine ATM-Fazilität über 150 Millionen Dollar erlaubt Sellas jederzeit weitere Aktienausgaben. Neben dem Ausführungsrisiko der REGAL-Studie und dem laufenden Cash-Verbrauch bleibt diese mögliche Verwässerung der Anteile das konkreteste Risiko für Anleger.
Mit einem Kurs von 44,77 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 7,81 Euro bewegt sich die Aktie weiterhin deutlich über ihren mittelfristigen Trendlinien. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die fehlenden zwei Ereignisse in der REGAL-Studie schneller eintreten als vom Markt eingepreist — und ob die neu geordneten Managementverträge tatsächlich eine Übernahme vorbereiten oder lediglich übliche Corporate-Governance-Maßnahmen darstellen.
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