Zwei Ereignisse fehlen noch. Dann steht fest, ob die Phase-3-Studie zu Sellas Life Sciences‘ Leukämie-Kandidat ein Erfolg wird oder nicht. Die Aktie hat diesen Showdown bereits eingepreist — mit einer Rally, die ihresgleichen sucht, und einem Kursrutsch, der zeigt, wie nervös der Markt inzwischen ist.
Am Freitag kostete das Papier 12,00 Euro, ein Minus von 1,64 Prozent zum Vortag. Der Schlusskurs von Donnerstag lag bei 12,20 Euro. Vom Rekordhoch bei 15,25 Euro, aufgestellt am 30. Juni, trennen die Aktie inzwischen 21,31 Prozent.
Diese Zahl wirkt dramatisch, relativiert sich aber im größeren Bild. Über die vergangenen zwölf Monate steht ein Plus von 640,74 Prozent zu Buche, allein in den letzten 30 Tagen kletterte der Kurs um 93,55 Prozent. Der aktuelle Rücksetzer über sieben Tage beträgt 6,61 Prozent — eine Verschnaufpause nach einem beispiellosen Lauf, keine Trendwende.
Institutionelle Investoren uneins
Frische Pflichtmitteilungen zeigen ein gespaltenes Bild bei kleineren institutionellen Anlegern. CoreCap Advisors baute eine neue Position von 690 Aktien auf, Marktwert rund 10.180 US-Dollar. Gamma Investing dagegen reduzierte seinen Bestand um 32 Prozent auf noch 556 Aktien im Wert von etwa 8.210 US-Dollar.
Diese gegensätzlichen Bewegungen fallen in eine heikle Phase. Sellas nähert sich dem finalen Datenpunkt seiner AML-Studie, und niemand weiß genau, wie das Ergebnis ausfällt. Die Marktkapitalisierung ist seit Anfang 2024 von rund 73 Millionen auf mittlerweile über 2,3 Milliarden Euro gewachsen — ein Wertzuwachs, der die Messlatte für künftige Nachrichten entsprechend hoch legt.
Übernahmespekulationen durch Vertragsänderungen befeuert
Parallel zur Studienspannung sorgt eine Änderung der Vorstandsverträge für Gesprächsstoff. Sellas hat die Change-of-Control-Klauseln im Arbeitsvertrag von CEO Angelos Stergiou angepasst. Bestimmte Abfindungszahlungen im Fall eines Kontrollwechsels werden künftig als Einmalzahlung fällig.
Auch für CFO John Burns und Chief Development Officer Dragan Cicic wurden die Vereinbarungen neu gefasst. Bei einer Kündigung ohne wichtigen Grund außerhalb eines Kontrollwechsels erhalten beide neun Monate Grundgehalt, einen anteiligen Zielbonus sowie bis zu neun Monate Erstattung der Krankenversicherung. Fällt die Kündigung dagegen in den Zeitraum eines Kontrollwechsels, erhöht sich das Paket deutlich: 15 Monate Grundgehalt als Einmalzahlung, ein voller Zielbonus, bis zu 18 Monate Versicherungserstattung und die sofortige Vollvestung aller ausstehenden Aktienoptionen.
Diese Anpassung allein beweist keine bevorstehende Übernahme. Kombiniert mit einem viel diskutierten LinkedIn-Beitrag von CEO Stergiou hält sie die Spekulation über eine Partnerschaft oder einen Käufer trotzdem am Leben. Bislang hat sich daraus keine nachhaltige Kursrally ergeben — auf steile Anstiege folgten regelmäßig Gewinnmitnahmen.
REGAL-Studie bleibt der entscheidende Katalysator
Im Zentrum der gesamten Bewertung steht die Phase-3-Studie REGAL zu Galinpepimut-S bei akuter myeloischer Leukämie. Von den 80 Ereignissen, die für die finale Datenauswertung nötig sind, sind bereits 78 eingetreten. Die Entscheidung rückt näher.
CEO Stergiou hat Kritik zurückgewiesen, wonach die Verzögerung der Studie darauf hindeute, dass Kontrollgruppen-Patienten dank neuerer Behandlungen länger überleben. Eine zugelassene Erhaltungstherapie für eine zweite komplette Remission existiert nach seinen Worten schlicht nicht.
Analysten bleiben gespalten, wie sie die Aktie vor diesem binären Ereignis bewerten sollen. Konkrete Risikofaktoren sind das Ausführungsrisiko rund um REGAL, der anhaltende Kapitalverbrauch und die Aussicht auf weitere Verwässerung durch die 150-Millionen-Dollar-ATM-Fazilität des Unternehmens. Hinzu kommt ein weiterhin hoher Anteil an Leerverkäufen, der die Schwankungsbreite zusätzlich erhöht — die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bereits über 125 Prozent.
Der RSI von 64,2 signalisiert keine akute Überhitzung. Die Aktie notiert weiterhin deutlich über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 7,83 Euro. Der aktuelle Rücksetzer liest sich damit eher als Verschnaufpause denn als Trendbruch — die endgültige Richtung entscheidet sich an den letzten beiden ausstehenden Studienereignissen und daran, ob aus der Übernahmespekulation tatsächlich eine konkrete Unternehmensaktion wird.
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