Nach einer dynamischen Kursentwicklung in den vergangenen Wochen rückt bei Sellas Life Sciences zunehmend die strategische Aufstellung des Unternehmens in den Fokus.
Während der Markt auf den Abschluss der entscheidenden REGAL-Studie wartet, sorgen vertragliche Anpassungen auf Führungsebene und eine bereinigte finanzielle Situation durch Partnerzahlungen für Gesprächsstoff unter Investoren. Die Vorbereitungen auf potenzielle strukturelle Veränderungen scheinen hinter den Kulissen bereits weit fortgeschritten zu sein.
Rechtliche Einigung und Stand der REGAL-Studie
Ein wichtiger Unsicherheitsfaktor konnte kürzlich im Verhältnis zum Lizenzpartner 3D Medicines ausgeräumt werden. Vor rund zwei Wochen wurde bekannt, dass die aus einem Schiedsverfahren resultierenden Zahlungen vollständig an Sellas geleistet wurden. In diesem Zusammenhang wurden auch aktuelle Daten zur globalen Phase-3-Studie REGAL (3D189) veröffentlicht.
Entgegen anderslautender Marktspekulationen liegt die Zahl der für die Endanalyse erforderlichen klinischen Ereignisse laut den jüngsten offiziellen Angaben bei 78. Das Ziel der Studie ist das Erreichen von 80 Ereignissen, was den Weg für die Wirksamkeitsanalyse und einen potenziellen Zulassungsantrag (BLA) bei der US-Gesundheitsbehörde FDA ebnen würde.
Medienberichten zufolge bleibt das Unternehmen bei seiner offiziellen Zählung, auch wenn im Marktumfeld zuletzt Gerüchte über das bereits erfolgte Erreichen der Schwelle kursierten. Die Studie untersucht den Einsatz von Galinpepimut-S (GPS) bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) in zweiter Remission.
Parallel dazu treibt das Unternehmen die Entwicklung von SLS009 voran, einem CDK9-Inhibitor. Hier werden erste Topline-Daten aus einer Phase-2-Studie bei AML-Patienten für das vierte Quartal 2026 erwartet.
Spekulationen um Übernahme-Szenarien
Für Aufmerksamkeit sorgen zudem Anpassungen in den Dienstverträgen der Führungsspitze. Wie bereits Ende Juni bekannt wurde, hat das Unternehmen die Abfindungsvereinbarungen mit dem CEO Angelos Stergiou, dem CFO John Burns und dem CDO Dragan Cicic modifiziert. Diese enthalten nun Bestimmungen für Einmalzahlungen im Falle eines Kontrollwechsels („Change of Control“).
Solche Klauseln werden an der Börse häufig als Vorbereitung auf mögliche Fusionen oder Übernahmen interpretiert, da sie die Führungsebene für den Fall einer Integration in einen größeren Konzern absichern.
Die finanzielle Basis für die kommenden Monate scheint vorerst gesichert. Zum Ende des zweiten Quartals 2026 verfügte Sellas über liquide Mittel in Höhe von 138,3 Millionen US-Dollar. Der Nettoverlust im am 30. Juni geendeten Quartal belief sich auf 9,6 Millionen US-Dollar, wobei die Ausgaben für Forschung und Entwicklung mit 6,3 Millionen US-Dollar den größten Posten darstellten.
Analysten sehen deutliches Aufwärtspotenzial
Die Einschätzungen der Analystenhäuser bleiben trotz der ausstehenden Studiendaten optimistisch. Die Experten von Alliance Global haben am vergangenen Donnerstag ihr Kursziel für Sellas Life Sciences auf 35 US-Dollar angehoben und ihre Kaufempfehlung bekräftigt. Sie hoben dabei besonders das Potenzial von SLS009 hervor, das als führender CDK9-Inhibitor bei verschiedenen Krebsarten eingesetzt werden könnte.
Bereits vor rund zwei Wochen hatte Maxim das Kursziel von 30 US-Dollar bestätigt. Die Analysten zogen hierbei Parallelen zu positiven Studiendaten anderer Marktteilnehmer im Bereich der Krebsimpfstoffe, was als positives Signal für den Erfolg von GPS gewertet wurde.
An der Börse spiegelte sich die Erwartungshaltung zuletzt in einer deutlichen Wertsteigerung wider. Das Papier schloss am gestrigen Montag bei 11,45 Euro. Damit verzeichnet der Wert seit Jahresbeginn ein Plus von 304 %.
Trotz dieser massiven Rally notiert die Aktie noch mit einem Abstand von 25 % zum 52-Wochen-Hoch, das Ende Juni markiert wurde. Die kommenden Monate dürften durch die erwarteten Datenveröffentlichungen und die weitere Entwicklung der Zulassungsstrategie für die Kursrichtung entscheidend bleiben.
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