Am Kapitalmarkt prallen bei Sellas Life Sciences derzeit gegensätzliche Signale aufeinander. Während rechtliche Vorwürfe die Anleger verunsichern, nutzte die Wellington Management Group die Kursschwäche für Zukäufe.

Laut einer Pflichtmitteilung vom 10. September stockte der institutionelle Investor seine Bestände an dem biopharmazeutischen Unternehmen auf. Konkrete Angaben zum genauen Umfang des Aktienpakets oder der Stimmrechtsanteile enthielt die Veröffentlichung nicht. Im Handel notiert das Papier heute bei 9,86 Euro, was einem moderaten Tagesplus von 0,8 Prozent entspricht.

Untersuchung zur Transparenz in Phase-3-Studie

Dem Einstieg des Großinvestors stehen schwere Vorwürfe gegenüber. Die auf Wertpapierrecht spezialisierte Kanzlei Pomerantz LLP untersucht mögliche Rechtsverstöße. Im Raum stehen Vorwürfe rund um die Phase-3-Studie zum Hauptproduktkandidaten Galinpepimut-S, kurz GPS.

Berichten zufolge soll in der klinischen Erprobung das vorab festgelegte 80. Todesfall-Ereignis erreicht worden sein, ohne dass Sellas bisher die entsprechenden Topline-Ergebnisse vorgelegt hat.

Die Kanzlei forderte betroffene Aktionäre auf, sich bezüglich möglicher zivilrechtlicher Schritte wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs zu melden. Eine behördliche Feststellung über tatsächliches Fehlverhalten des Managements gibt es bislang nicht. Dennoch lastet die eingeleitete Prüfung auf der Marktstimmung und schürt Zweifel über den Zeitplan zur Auswertung der GPS-Studiendaten.

Fachkongress zu SLS009 rückt näher

Parallel zu den Turbulenzen um die Hauptstudie bereitet Sellas die wissenschaftliche Präsentation seines zweiten Entwicklungsprojekts vor. Das Unternehmen wird auf der diesjährigen Fachkonferenz der AACR zu Bauchspeicheldrüsenkrebs drei Forschungsarbeiten zum Wirkstoffkandidaten SLS009, auch bekannt als Tambiciclib, im Rahmen von Poster-Präsentationen vorstellen.

Bei dem Kandidaten handelt es sich um einen selektiven CDK9-Inhibitor. Die vorgestellten Arbeiten basieren auf präklinischen Modellen des duktalen Adenokarzinoms der Bauchspeicheldrüse, einschließlich Varianten mit KRAS-Mutationen. Damit zielt das Programm auf besonders schwer behandelbare Formen dieser Krebsart ab.

Kurs bleibt auf Jahressicht im Plus

Die kommenden Tage bringen für das Papier gleich an mehreren Fronten wichtige Weichenstellungen. Auf der einen Seite steht der Nachweis, ob die präklinischen Daten zu SLS009 den hohen Erwartungen genügen können. Auf der anderen Seite verlangen Marktteilnehmer Klarheit über den Status der fortgeschrittenen GPS-Studie, um die juristischen Risiken einschätzen zu können.

Trotz des Gegenwinds in den vergangenen Tagen notiert die Aktie seit Jahresbeginn weiterhin mit einem deutlichen Zuwachs von 248 Prozent. Neue Einschätzungen von Analystenhäusern lagen in den vergangenen zwei Wochen nicht vor.