ServiceNow baut sein Geschäft gezielt um. Aus dem Workflow-Anbieter soll die zentrale Steuerungsebene für Künstliche Intelligenz in Unternehmen werden. Die Börse honoriert den Schritt – die Aktie legte in den vergangenen zwei Tagen mehr als fünf Prozent zu und schloss am Donnerstag bei rund 107 Dollar.

Partnerschaften stärken die Datenbasis

Zwei strategische Allianzen geben dem Kurs Auftrieb. Mit Experian integriert ServiceNow dessen Entscheidungsplattform Ascend in die eigene KI-Plattform. Ziel: Unternehmen sollen KI-gestützte Workflows für sensible Finanz- und Identitätsprozesse automatisieren – mit hochintegren Daten als Grundlage.

Parallel dazu weitete ServiceNow die Zusammenarbeit mit Boomi aus. Das Unternehmen wird Launch-Partner des „Workflow Data Network Passport Program“. Dieses Programm soll den Echtzeit-Datenzugriff über die hauseigene „Workflow Data Fabric“ verbessern. Ein entscheidender Schritt, denn der Zugang zu verteilten Unternehmensdaten gilt als größter Engpass beim Einsatz autonomer KI-Agenten.

Die „Action-Fabric“-Strategie

Auf der Jefferies-Konferenz am 27. Mai präzisierte Finanzchefin Gina Mastantuono die Strategie. ServiceNow versteht sich künftig als „Governance Layer“ für die Ära der agentischen KI. Kernstück ist der neu eingeführte Model Context Protocol (MCP) Server. Er erlaubt externen KI-Agenten – etwa von Microsoft Copilot oder Anthropic Claude –, gesteuerte Aktionen im ServiceNow-Ökosystem auszuführen. Das Management betont: ServiceNow profitiert, egal welches Sprachmodell der Kunde wählt.

Starke Quartalszahlen

Der Kursanstieg folgt auf einen soliden Quartalsbericht. Der Umsatz stieg im ersten Quartal 2026 um 22,1 Prozent auf 3,77 Milliarden Dollar. Die Abonnementumsätze legten ebenfalls um 22 Prozent zu. Die aktuellen verbleibenden Leistungsverpflichtungen (cRPO) kletterten auf 12,64 Milliarden Dollar – ein Plus von 22,5 Prozent.

Das Management zeigt sich optimistisch. Das interne Jahresziel für den Neugeschäftswert von „Now Assist“ wurde von einer auf 1,5 Milliarden Dollar angehoben – eine Steigerung um 50 Prozent. Ein klares Signal für das Vertrauen in die eigenen KI-Produkte.

Die operative Marge (non-GAAP) erreichte 32 Prozent, die Free-Cashflow-Marge 44 Prozent. Der Nettogewinn lag bei 12,6 Prozent vom Umsatz.

Ausblick

ServiceNow bewegt sich in einem volatilen Umfeld. Die Aktie notiert mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 59 – hoch, aber durch das Wachstum gestützt. Wettbewerb von Cloud-Hyperscalern bleibt ein Risiko. Zugleich haben Akquisitionen wie Armis und Veza das adressierbare Marktvolumen in den Bereichen Sicherheit und Identitäts-Governance erweitert. Diese Bausteine bilden den „AI Control Tower“, ein Paket zur Überwachung und Sicherung autonomer KI-Agenten.

Die Messlatte liegt jetzt bei 1,5 Milliarden Dollar Now-Assist-Neugeschäft. Ob ServiceNow dieses Tempo halten kann, dürften die nächsten Quartalszahlen im Juli zeigen.