Für ServiceNow führt der überzeugendste Weg aus der KI-Debatte über den Arbeitsalltag seiner Kunden. Am Donnerstag meldete das Unternehmen, dass Keysight Technologies mit seiner Software Angebote schneller erstellt und den Konfigurationsaufwand senkt.

Für mich liegt darin der interessantere Anlegergedanke als im nächsten großen KI-Versprechen: ServiceNow kann mit konkreten Kundenergebnissen punkten, sofern daraus dauerhaft zusätzliches Geschäft entsteht.

Dieser Maßstab passt zur angespannten Branchenlage. Laut Associated Press gerieten Technologie- und KI-Aktien am Donnerstag wegen Sorgen über Bewertungen und Ausgaben unter Druck. ServiceNow steht damit zwischen zwei Anforderungen: Die Anwendungen sollen Kunden produktiver machen. Zugleich muss das Unternehmen zeigen, dass dieser Nutzen auch sein eigenes Wachstum trägt.

Vom KI-Versprechen zum Kundenergebnis

Keysight nutzt nach Angaben von ServiceNow dessen Kundenmanagementsoftware mit CPQ zur Konfiguration und Angebotserstellung. Keysight berichtete von einer um 40% schnelleren Angebotserstellung. Der Zeitaufwand für Einrichtung und Pflege der Konfigurationen sank demnach um 50–80%.

Das sind greifbare Ergebnisse aus einem konkreten Einsatz. Für die Beurteilung von ServiceNow halte ich solche Angaben für besonders wertvoll, sofern Kunden die Verbesserungen im laufenden Betrieb bestätigen können. Der Nutzen lässt sich hier an Arbeitsabläufen festmachen: schneller zum Angebot kommen und weniger Zeit für dessen technische Vorbereitung aufwenden.

Gerade darin liegt eine mögliche Stärke der Investmentgeschichte. Wer Software mit messbaren Verbesserungen im Kundenbetrieb verbindet, liefert ein Argument für weitere Nutzung. Für ServiceNow gewinnt dieses Argument allerdings erst dann wirtschaftliches Gewicht, wenn Kunden ihre Nutzung ausweiten oder zusätzliche Leistungen buchen.

Auch die am Mittwoch bekannt gegebene Verlängerung der Partnerschaft mit der NBA passt in diesen Zusammenhang. Die NBA soll ServiceNow EmployeeWorks für die Einarbeitung von Beschäftigten und interne Arbeitsplatzanfragen einsetzen. Hier steht die geplante Anwendung im Vordergrund; die Entscheidung für das Produkt spricht für ServiceNow, sofern sich der erwartete Nutzen im Betrieb bewährt.

Wachstum braucht einen zweiten Beweis

Die Geschäftszahlen liefern bereits eine solide Grundlage für diese Betrachtung. Im dritten Quartal 2026 erzielte ServiceNow Abonnementerlöse von 3.988 Millionen $. Das entsprach einem Zuwachs von 21% gegenüber dem Vorjahr.

Damit wächst das bestehende Geschäft deutlich. Für Anleger stellt sich die entscheidende Anschlussfrage: Wie viel zusätzliche Nachfrage erzeugen die neuen Anwendungen? Meine Lesart ist deshalb zweistufig: Kundenergebnisse stärken die Produktgeschichte, während Vertragsentwicklung und Erlöse darüber entscheiden, wie viel davon bei ServiceNow ankommt.

Mit den Quartalszahlen hob das Unternehmen seine Prognose für die Abonnementerlöse im Gesamtjahr 2026 auf 15.780–15.790 Millionen $ an. Zugleich erhöhte ServiceNow den Ausblick für die freie Cashflow-Marge.

Der Kapitalmarkt legte vor rund zwei Wochen dennoch einen strengeren Maßstab an. Medienberichten zufolge belasteten die erste Verfehlung der bereinigten Gewinnerwartungen seit sechs Quartalen und ein schwächer als erwarteter Vertragsausblick die Aktie. Für das Schlussquartal stellte ServiceNow beim cRPO ein Wachstum von 18,5% in Aussicht.

Der Nutzen muss beim Anbieter ankommen

Die Spannung zwischen diesen Aussagen ist für mich der Kern der ServiceNow-Geschichte. Steigende Erlöse und bessere Kundenabläufe sprechen für das Unternehmen, sofern sich daraus auch eine überzeugende Entwicklung des künftigen Geschäfts ergibt. Ein enttäuschender Vertragsausblick wiegt dagegen schwerer, solange Anleger gerade dort die Bestätigung der KI-Wachstumsversprechen suchen.

Reuters berichtete vor rund zwei Wochen, dass enttäuschende Ergebnisse von ServiceNow und Fortinet Softwareaktien belasteten und Sorgen über KI-bedingte Umbrüche verstärkten. Die Skepsis reicht damit über einen einzelnen Anbieter hinaus.

ServiceNow hat mit Keysight einen konkreten Produktivitätsbeleg vorgelegt. Mein Maßstab für die Aktie wäre deshalb die Verbindung zwischen Kundennutzen und Vertragswachstum: Die Geschichte gewinnt an Überzeugungskraft, wenn schnellere Abläufe beim Kunden zugleich verlässlicheres Wachstum für ServiceNow ermöglichen. Genau an dieser Verbindung entscheidet sich, wie belastbar das KI-Versprechen wirtschaftlich wird.