ServiceNow steht vor einem entscheidenden Termin: Am 22. Juli 2026 legt der Softwarekonzern nach US-Börsenschluss seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Die Wall Street rechnet mit einem Gewinn je Aktie von 0,86 US-Dollar bei einem Umsatz von 3,93 Milliarden US-Dollar. Damit würde ServiceNow an das erste Quartal anknüpfen, in dem der Umsatz um 22,1 Prozent auf 3,77 Milliarden US-Dollar gestiegen war und der Gewinn je Aktie bei 0,97 US-Dollar lag.

Die Aktie kommt zunehmend unter Druck. Am aktuellen Handelstag notiert das Papier bei 90,76 Euro und verliert 1,58 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Minus von 1,15 Prozent zu Buche, während sich der Kurs auf Monatssicht mit einem Plus von 11,47 Prozent teilweise erholt hat. Der Relative-Stärke-Index von 49,4 signalisiert ein neutrales Marktumfeld ohne klare Überkauft- oder Überverkauft-Signale. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf umgerechnet 93,27 Milliarden Euro.

CLSA startet mit Underperform, KeyBanc bleibt skeptisch

Für zusätzliche Nervosität sorgte am 21. Juli die Neuaufnahme der Coverage durch CLSA. Analyst Bhavtosh Vajpayee stufte ServiceNow mit Underperform ein und setzte ein Kursziel von 72 US-Dollar – das entspricht laut CLSA einem Abwärtspotenzial von rund 31 Prozent gegenüber dem damaligen Kursniveau. Als Begründung nannte Vajpayee die hohe Bewertung, steigende Kosten und zunehmenden Wettbewerb im Softwaremarkt.

Auch KeyBanc bekräftigte kurz vor den Zahlen seine kritische Haltung: Die Analysten bestätigten ihr Underweight-Rating mit einem Kursziel von 85 US-Dollar. Sie verwiesen auf Preisbedenken – Kunden würden Verträge vorzeitig verlängern, um Preiserhöhungen durch das neue, zum 1. Juli eingeführte Preismodell zu umgehen. Durch neue Paketstrukturen erwartet KeyBanc künftig jährliche Preissteigerungen von mehr als 25 Prozent.

Die Analystenlandschaft bleibt insgesamt gespalten. Während DA Davidson ein Kursziel von 170 US-Dollar mit Kaufempfehlung ausgibt und Oppenheimer bei 140 US-Dollar auf Outperform setzt, ordnet CLSA das Papier am unteren Ende der Erwartungen ein. Truist hatte sein Kursziel zuletzt unter Verweis auf die KI-Adoption des Unternehmens auf 130 US-Dollar angehoben. In der Summe ergibt sich ein durchschnittliches Kursziel von rund 139 US-Dollar bei einer Konsensbewertung, die je nach Erhebung zwischen Moderate Buy und Strong Buy pendelt – getragen von 32 bis 43 Kaufempfehlungen gegenüber nur einer Verkaufsempfehlung.

Insider verkaufen, institutionelle Anleger bleiben investiert

Parallel zu den Analystenmeldungen wurden in den vergangenen 90 Tagen Insiderverkäufe von insgesamt 28.071 Aktien im Wert von rund 2,53 Millionen US-Dollar bekannt, darunter ein Verkauf eines Direktors über 1.500 Aktien zu 87,23 US-Dollar sowie eine weitere Transaktion über 8.927 Aktien zu 89,60 US-Dollar. Die institutionelle Eigentümerquote liegt weiterhin bei hohen 87,18 Prozent, was auf anhaltendes Vertrauen großer Investoren hindeutet.

Operativ hatte ServiceNow im April die Übernahme von Armis für 7,75 Milliarden US-Dollar abgeschlossen und im Zuge der eigenen KI-Strategie das Ziel für den jährlichen Auftragswert im KI-Geschäft auf 1,5 Milliarden US-Dollar angehoben. Für das laufende Quartal hat das Unternehmen ein Wachstum der aktuellen verbleibenden Auftragsbestände von 19,5 Prozent auf konstanter Währungsbasis in Aussicht gestellt. Optionsmärkte preisen im Vorfeld der Zahlen eine Kursbewegung von 11 bis 13 Prozent ein – ein Hinweis darauf, wie unsicher Anleger die Reaktion auf den Quartalsbericht einschätzen.

Auf Jahressicht hatte die Aktie bereits deutlich an Wert verloren, bevor sich die jüngste Monatserholung einstellte. Die kommenden Quartalszahlen dürften zeigen, ob die von KeyBanc und CLSA skizzierten Preis- und Bewertungsrisiken das Wachstumsbild trüben oder ob ServiceNow die optimistischeren Kursziele der Bullen bestätigen kann.