ServiceNow hat nach einem turbulenten Börsenjahr einen kräftigen Kurssprung hingelegt. Die Aktie schloss am Freitag bei 86,76 Euro und legte auf Tagessicht um 7,38 Prozent zu. Auslöser waren starke Quartalszahlen und ein milliardenschwerer Auftrag der US-Regierung, die dem unter Druck stehenden Softwarekonzern neuen Rückenwind gaben. Die Marktkapitalisierung des Anbieters von Workflow-Software liegt nach der Rally bei umgerechnet 86,56 Milliarden Euro.

Quartalszahlen übertreffen Erwartungen

Im zweiten Quartal 2026 steigerte ServiceNow den Umsatz auf 3,99 Milliarden Dollar, ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereinigt verdiente das Unternehmen 0,90 Dollar je Aktie und lag damit über der Konsensschätzung von 0,86 Dollar. Unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 298 Millionen Dollar, während das verwässerte Ergebnis je Aktie von 0,37 auf 0,29 Dollar zurückging. Das Management hob zugleich die Prognose für den Abonnementumsatz für das Gesamtjahr an. Besonders bemerkenswert: Der jährliche Vertragswert KI-bezogener Geschäfte übersprang erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar – ein Signal dafür, dass sich die milliardenschweren Investitionen in KI-Agenten allmählich in zahlenden Kundenverträgen niederschlagen.

Milliardenauftrag der US-Regierung treibt Kurs

Zusätzlichen Schub lieferte eine milliardenschwere, behördenübergreifende KI-Beschleunigungsinitiative der US-Regierung. ServiceNow sicherte sich dabei nach eigenen Angaben den größten Bundesauftrag der Firmengeschichte, auch Salesforce profitierte von dem Programm. Die Nachricht ließ ServiceNow-Aktien im US-Handel um 6 Prozent, Salesforce-Titel um 4 Prozent steigen und fällt zeitlich mit dem starken Quartalsbericht zusammen. Für Anleger ist das mehr als eine kurzfristige Kursbewegung: Ein derart großer öffentlicher Auftrag unterstreicht, dass ServiceNow im Wettbewerb um KI-Governance-Lösungen im öffentlichen Sektor eine ernstzunehmende Position einnimmt.

Parallel dazu präsentierte Firmenchef Bill McDermott einen sogenannten AI Control Tower mit integriertem Kill-Switch-Mechanismus, der außer Kontrolle geratene KI-Agenten stoppen soll. Nach seinen Angaben verlängern sich dadurch die Vertragslaufzeiten mit Kunden – ein Hinweis darauf, dass Sicherheitsfunktionen inzwischen zu einem eigenständigen Verkaufsargument werden.

Analysten uneinig, institutionelle Anleger bewegen sich in beide Richtungen

Die Analystenmeinungen zu ServiceNow gehen weiterhin deutlich auseinander. BMO Capital Markets erhöhte das Kursziel von 115 auf 118 Dollar und bestätigte die Einstufung Outperform, was gegenüber dem aktuellen Kurs noch Luft nach oben lässt. Deutlich skeptischer positioniert sich CLSA mit einem Kursziel von lediglich 72 Dollar und der Einstufung Underperform – eine Spanne, die zeigt, wie unterschiedlich die Wachstumsstory des Unternehmens derzeit bewertet wird. Der Analystenkonsens insgesamt bleibt mit der Einstufung Moderate Buy und einem Kursziel von 143,39 Dollar klar optimistisch.

Auch bei institutionellen Investoren zeigt sich ein gemischtes Bild. Cetera Investment Advisers und Morningstar Investment Management bauten ihre Positionen im ersten Quartal deutlich aus, Beaconlight Capital stieg neu ein. Auf der anderen Seite reduzierten Sei Investments, Cannell & Spears sowie Renaissance Technologies ihre Bestände zum Teil erheblich. Insgesamt liegt der institutionelle Aktienanteil weiterhin bei rund 87 Prozent. Insider verkauften in den vergangenen 90 Tagen knapp 19.144 Aktien – ein Volumen, das angesichts der Marktkapitalisierung des Konzerns als überschaubar gilt.

Die Gemengelage aus starkem Quartalsbericht, staatlichem Großauftrag und einer neuen KI-Sicherheitsarchitektur hat der Aktie kurzfristig spürbaren Auftrieb gegeben. Ob sich daraus eine nachhaltige Trendwende entwickelt, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen und der weiteren Umsetzung der angekündigten KI-Vertragswerte entscheiden.