Zwei Banken, zwei Signale, ein Aktienkurs, der nicht weiß, wohin. Während Truist Securities bei ServiceNow optimistischer wird, kappt Goldman Sachs sein Kursziel. Mitten in diesem Meinungsstreit meldet der Softwarekonzern eine neue KI-Partnerschaft – und die Börse bleibt trotzdem skeptisch.

Die ServiceNow-Aktie schloss die Woche bei 94,46 Euro. Am Freitag gab sie um 0,80 Prozent nach. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 2,79 Prozent, über 30 Tage sind es 2,74 Prozent – die Aktie hat sich nach einem turbulenten ersten Halbjahr etwas stabilisiert.

Truist hebt an, Goldman senkt

Truist Securities erhöhte sein Kursziel für ServiceNow von 120 auf 130 Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Miller Jump begründet das mit starker Nachfrage nach KI-Tools für Unternehmen. Besonders Coding-Assistenten wie Anthropics Claude Code treiben demnach die Adoption im ersten Halbjahr 2026.

Jump sieht dabei ein klares Bild: Das Wachstumspotenzial bei der Unternehmens-Adoption überwiegt mögliche Bremseffekte durch Kostenoptimierungen im zweiten Halbjahr.

Goldman-Analystin Gabriela Borges sieht das anders. Sie senkte ihr Kursziel für ServiceNow von 163 auf 145 Dollar. Die Kaufempfehlung ließ sie trotzdem unverändert. Die gegenläufigen Bewegungen zeigen: Analysten streiten darüber, wie stark KI-getriebene Optimierung und Preisdruck das Wachstum von ServiceNow in der zweiten Jahreshälfte bremsen könnten.

Auch Bernstein bleibt bei „Outperform“ und lobt die im Branchenvergleich attraktive Preisgestaltung von ServiceNow. Benchmark hob sein Kursziel an und verweist auf positive Erwartungen beim KI-Wachstum sowie ein robustes operatives Geschäftsmodell. Im Schnitt liegt das Kursziel der Analysten aktuell bei 137,07 Dollar – bei Buy-Rating.

Hitachi-Partnerschaft sorgt kurz für Auftrieb

Parallel zu den Analysten-Bewegungen baut ServiceNow sein Partnernetzwerk aus. Hitachi Digital Services kündigte eine Zusammenarbeit an, um die Überwachung kritischer Infrastruktur zu verbessern. Kern des Projekts: Hitachi Intelligent Infrastructure Monitoring (HIIM), eine KI-Lösung für Echtzeitüberwachung und Ferninspektion.

Die Technologie funktioniert herstellerunabhängig. Sie verknüpft Daten aus Video, Wärmebildern und IoT-Sensoren zu einem durchgehenden Lagebild der Infrastruktur. Kombiniert mit ServiceNows Workflow Data Fabric entstehen daraus automatisierte Reaktionen im gesamten Unternehmen – nicht nur Datenvisibilität, sondern konkrete Handlungsabläufe.

Die Partnerschaft zielt auf Betreiber kritischer Infrastruktur in Energie, Mobilität und Industrie. Diese Branchen stehen zunehmend unter Druck, Sicherheit und Zuverlässigkeit trotz Personalmangel aufrechtzuerhalten.

Der Markt reagierte zunächst positiv. Am Donnerstag stieg die Aktie um ein Prozent – ein Effekt, der größtenteils auf die Hitachi-Ankündigung zurückgeht. Am Freitag war davon nichts mehr übrig: Die Aktie gab die Gewinne wieder ab, Investoren verdauten offenbar die Flut an KI-Partnerschaftsmeldungen der vergangenen Tage.

Entscheidender Termin rückt näher

Die Volatilität der vergangenen Tage passt zu einem Unternehmen, das kurz vor einem wichtigen Termin steht. ServiceNow veröffentlicht seine Zahlen zum zweiten Quartal 2026 nach Börsenschluss am Mittwoch, den 22. Juli. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt aktuell bei 60,55 Prozent – ein Wert, der die Nervosität rund um das Papier unterstreicht.

Dieser Bericht wird zeigen, ob die jüngste Welle an KI-Partnerschaften – Hitachi eingeschlossen – tatsächlich in nachhaltigem Abo-Wachstum mündet. Oder ob die Debatte um KI-getriebene Disruption in der Softwarebranche weiter auf der Stimmung lastet. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 98,31 Milliarden Euro und einem RSI von 55,9 steht ServiceNow charttechnisch neutral da – weder überkauft noch überverkauft, aber mit reichlich Diskussionsstoff bis zum 22. Juli.