HPE hat ServiceNow am 28. Oktober für die Neuausrichtung seiner Supportdienste im Geschäftsbereich Cloud & AI ausgewählt. Die Vereinbarung läuft über fünf Jahre.
Für mich steckt darin die interessantere Anlegerfrage als in der nächsten KI-Partnerschaft: Kann ServiceNow aus der Einbindung in konkrete Arbeitsabläufe genügend Geschäft machen, um die Wachstumserwartungen zu erfüllen? Der Auftrag liefert dafür einen Anhaltspunkt, aber noch keinen Beweis.
Der Arbeitsablauf zählt mehr als das Etikett
Die Debatte über künstliche Intelligenz kann für Softwareunternehmen in entgegengesetzte Richtungen führen. Reuters berichtete im Zusammenhang mit dem ServiceNow-Ausverkauf über Sorgen vor einer Verdrängung bestehender Software durch KI. Die HPE-Vereinbarung zeigt dagegen einen konkreten Fall, in dem ein Unternehmen ServiceNow für die Veränderung seiner Supportdienste auswählt.
Das widerlegt das Verdrängungsrisiko nicht. Es macht die Diskussion aber präziser. Entscheidend ist nicht allein, welche Fähigkeiten ein KI-Modell besitzt. Für ServiceNow zählt auch, ob Kunden seine Anwendungen für den Einsatz dieser Fähigkeiten in ihren Abläufen wählen. Bei HPE betrifft das Kundensupport und Außendienst im Cloud-&-AI-Geschäft.
Die Laufzeit gibt der Zusammenarbeit einen längerfristigen Rahmen. Sie sagt für sich genommen jedoch nichts darüber aus, welchen Beitrag der Vertrag zum Wachstum von ServiceNow leisten wird. Genau diese Trennung halte ich für wichtig: Ein gewonnener Kunde ist ein geschäftlicher Fortschritt, aber kein Ersatz für die Betrachtung der gesamten Auftragsentwicklung.
Produktiver Nutzen braucht einen finanziellen Anschluss
Ein anschauliches Beispiel für den praktischen Einsatz lieferte Thrive am 22. Oktober. Das Unternehmen meldete die Einführung von ServiceNow CRM und KI-Agenten. Nach eigenen Angaben erreichte Thrive eine Erstlösungsquote von 73 Prozent und verkürzte die Bearbeitungszeit bis zur Problemlösung um 63 Prozent.
Solche Ergebnisse geben der KI-Erzählung einen greifbaren Inhalt. Sie beschreiben Veränderungen im Kundenservice statt lediglich neue technische Möglichkeiten. Trotzdem sind es Kennzahlen von Thrive. Sie lassen sich weder auf sämtliche ServiceNow-Kunden übertragen noch unmittelbar als Umsatzwirkung für ServiceNow lesen.
Hier liegt aus meiner Sicht die zentrale Unterscheidung für Anleger: Kundennutzen und Wachstum des Anbieters gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe. Ein überzeugender Einsatz kann die Nachfrage stützen. Wie stark daraus zusätzliches Geschäft entsteht, muss sich in den Geschäftszahlen zeigen.
Der Quartalsbericht verfehlte vor gut einer Woche die Gewinnerwartung. Zugleich stellte ServiceNow für das vierte Quartal ein cRPO-Wachstum von 18,5 Prozent in Aussicht, nach 20,5 Prozent im dritten Quartal 2026. Diese Kennzahl zur kurzfristigen vertraglichen Umsatzbasis richtet den Blick auf das erwartete Geschäftstempo.
Der Gegensatz ist damit klar: ServiceNow kann konkrete Anwendungsfälle vorweisen, während der Ausblick eine Verlangsamung dieser Wachstumskennzahl signalisiert. Beides kann gleichzeitig stimmen. Wer nur die Kundenerfolge betrachtet, unterschätzt die Erwartungen an die Aktie. Wer nur die Verlangsamung sieht, übersieht die belegten Einsatzmöglichkeiten.
Integration ist eine Chance, keine Abkürzung
Auch die am 27. Oktober angekündigte Erweiterung der Zusammenarbeit mit Google Cloud passt in diesen Zusammenhang. ServiceNow und Google Cloud wollen Branchenabläufe mit Gemini Enterprise verbinden. Die Integrationen beginnen in Handel, Telekommunikation, Vertrieb und IT und sollen kontrollierte Aktionen über den Assistenten ermöglichen.
Für mich ist daran weniger die Zahl der beteiligten Namen entscheidend als die Richtung: KI soll nicht neben den Arbeitsabläufen stehen, sondern darin handeln können. Das macht die Integration für die Beurteilung von ServiceNow relevant. Eine Ankündigung solcher Verbindungen ist allerdings noch kein Nachweis ihres wirtschaftlichen Erfolgs.
Die Aktie steht damit für eine anspruchsvolle Bewährungsprobe der Unternehmens-KI. HPE liefert einen Vertragsanker, Thrive messbare Kundenergebnisse und Google Cloud eine angekündigte Integrationsperspektive. Der gemeinsame Nenner ist praktischer Einsatz. Für eine überzeugende Investmentthese muss daraus jedoch auch ein Geschäftstempo entstehen, das den Erwartungen standhält. Genau daran sollte sich die ServiceNow-Erzählung messen lassen.
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