Ausgangslage
ServiceNow steckt in einer Konsolidierungsphase, nachdem die Aktie in den vergangenen 30 Tagen um 8,4 Prozent zulegte. Zuletzt kam etwas Luft aus dem Papier: Binnen sieben Tagen verlor die Aktie 3,0 Prozent, am Montag schloss sie bei 121,05 Euro, aktuell notiert sie bei 119,60 Euro und gibt damit auch am heutigen Handelstag weitere 1,2 Prozent nach.
Der Rücksetzer fällt in eine Phase, in der die fundamentale Story eigentlich intakt wirkt: Im zweiten Quartal wuchs der Subskriptionsumsatz um 24,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das KI-Geschäft überschritt erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar an jährlichem Vertragsvolumen.
Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die aktuelle Schwäche eine Kaufgelegenheit markiert oder der Vorbote einer längeren Verschnaufpause ist – und genau darüber entscheidet der nächste Quartalsbericht.
Die entscheidende Frage
Der zentrale Faktor für die kommenden Wochen ist, ob ServiceNow die selbst gesetzte Latte für das dritte Quartal und das Gesamtjahr halten kann. Das Unternehmen hat die Subskriptionsumsatz-Guidance für 2026 auf eine Spanne von 15,760 bis 15,780 Milliarden Dollar angehoben, was einem Wachstum von 21 Prozent auf Basis konstanter Währungen entsprechen soll.
Entscheidend ist dabei weniger die Kopfzahl als die Qualität der zugrunde liegenden Kundenbewegungen: Im zweiten Quartal verzeichnete ServiceNow 123 Transaktionen über eine Million Dollar an Netto-Neugeschäft, ein Plus von fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und 658 Kunden mit mehr als fünf Millionen Dollar Vertragsvolumen.
Bleibt dieses Tempo bei der Erweiterung von Großkunden erhalten, dürfte sich die Guidance als konservativ erweisen. Verlangsamt sich hingegen die Expansion bei den margenstärksten Accounts, würde das die Bewertung der Aktie stärker belasten als ein bloßes Verfehlen der Umsatzzahl.
Bullisches Szenario
Sollte ServiceNow im dritten Quartal erneut zweistellig über der eigenen Prognose wachsen, wie es in den vergangenen Quartalen gelang, würde das den KI-getriebenen Wachstumsnarrativ weiter untermauern.
Das Überschreiten der Milliarden-Dollar-Marke bei KI-Vertragsvolumen im zweiten Quartal war ein wichtiges Signal, dass sich Investitionen in generative Plattform-Funktionen tatsächlich in zahlungswirksamen Verträgen niederschlagen.
Bank of America hob am 19. August das Kursziel von 130 auf 150 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung – ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Teil der Analystengemeinde die operative Entwicklung zum damaligen Zeitpunkt positiv einordnete.
Setzt sich das Margenprofil fort – für das Gesamtjahr strebt ServiceNow eine non-GAAP-Subskriptionsbruttomarge von 81 Prozent und eine operative Marge von 31,5 Prozent an –, könnte die Aktie ihren mittelfristigen Aufwärtstrend nach einer kurzen Verschnaufpause fortsetzen.
Bärisches Szenario und Risiken
Die Kehrseite zeigt sich in der jüngsten Kursbewegung selbst: Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 57 Prozent signalisiert, dass der Markt mit spürbaren Ausschlägen rechnet, in beide Richtungen. Auffällig ist zudem, dass mehrere Insider zuletzt Aktien verkauften.
Ein Direktor veräußerte am 27. August 2.700 Aktien im Wert von 365.850 Dollar, nachdem er bereits am 13. August 1.500 Aktien abgestoßen hatte – beide Transaktionen liefen unter einem im August 2025 aufgesetzten Rule-10b5-1-Handelsplan, was sie prozedural von opportunistischen Verkäufen unterscheidet.
Ende August verkaufte zudem ein weiterer Insider Aktien im Wert von rund 300.000 Dollar. Solche planbasierten Transaktionen lassen sich nicht automatisch als negatives Signal werten, sie summieren sich aber zu einem Muster, das in einer ohnehin nervösen Marktphase auffällt.
Sollte das dritte Quartal zeigen, dass sich das Wachstum bei den margenstärksten Großkunden abschwächt, dürfte die Aktie angesichts ihrer sportlichen Bewertung deutlich stärker korrigieren als der breite Softwaresektor.
Ausblick
Solange ServiceNow sein Momentum bei Großkundenverträgen und im KI-Geschäft hält, bleibt der Rücksetzer der vergangenen Handelstage aus fundamentaler Sicht eher eine Verschnaufpause als eine Trendwende. Der RSI von 58,3 signalisiert dabei keine überhitzte, aber auch keine überverkaufte Lage – die Aktie bewegt sich in einer neutralen Zone, die auf den nächsten Impuls wartet.
Kippt hingegen das Wachstumstempo bei den Verträgen über fünf Millionen Dollar spürbar ab oder verfehlt das Unternehmen die eigene Subskriptionsumsatz-Guidance, dürfte die Volatilität der vergangenen Wochen zur Regel statt zur Ausnahme werden.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der für den 28. Oktober 2026 angesetzte Quartalsbericht zum dritten Quartal – bis dahin dürfte die Aktie zwischen den beiden Szenarien pendeln.
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