ServiceNow gewinnt Kunden für seine KI-Plattform und vertieft die Zusammenarbeit mit großen Technologiepartnern. Die zentrale Anlegerfrage beantwortet das bislang aber nur teilweise: Konkrete Einsatzvereinbarungen belegen Nachfrage, während der enttäuschende Auftragsausblick Zweifel am Wachstum nährt.

Die am Donnerstag veröffentlichten Kurszielsenkungen zeigen diese Spannung besonders deutlich: Analysten reduzierten ihre Erwartungen, ohne ihre positiven Anlageurteile aufzugeben.

Kundenvereinbarungen konkretisieren die KI-Strategie

Am 28. Oktober gab ServiceNow eine fünfjährige Vereinbarung mit Hewlett Packard Enterprise bekannt. Das Unternehmen wählte ServiceNow als Plattform für Supportdienste seines Geschäftsbereichs Cloud & AI. Damit steht hinter der Zusammenarbeit ein konkreter betrieblicher Einsatz und nicht lediglich eine angekündigte technische Verknüpfung.

Auch Stagwell setzt auf die Plattform. Nach der ebenfalls am 28. Oktober veröffentlichten Mitteilung sollen damit Personal-, IT- und Sicherheitsabläufe über ein Netzwerk von mehr als 70 Agenturen automatisiert werden.

Beide Vereinbarungen machen sichtbar, wo ServiceNow seine KI-Plattform bei Kunden verankert. Sie beantworten allerdings eine andere Frage als der kurzfristige Wachstumsausblick: Ein vereinbarter Einsatz ist nicht gleichbedeutend mit einer bereits ausgewiesenen Umsatzsteigerung.

Parallel erweiterte ServiceNow am 27. Oktober die Partnerschaft mit Google Cloud. Dabei soll ServiceNows Action Fabric mit Gemini Enterprise für branchenspezifische Arbeitsabläufe verbunden werden. Die vor gut einer Woche angekündigte Ausweitung der OpenAI-Partnerschaft ergänzt diesen Ansatz um ein ServiceNow-Plugin für ChatGPT sowie geplante Zusammenarbeit bei Cybersicherheit und KI-Governance.

Der Auftragsausblick begrenzt die Zuversicht

Die vor gut einer Woche veröffentlichten Quartalszahlen zeigten Abonnementerlöse von 3.988 Millionen $. Der kurzfristige vertraglich gesicherte Auftragsbestand, kurz cRPO, lag bei 13,65 Milliarden $. Für das Schlussquartal stellte ServiceNow jedoch lediglich ein cRPO-Wachstum von 18,5% in Aussicht und blieb damit unter den Markterwartungen.

Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen strategischem Fortschritt und Börsenbewertung. Neue Kundenvereinbarungen und technische Partnerschaften stützen die KI-Ausrichtung. Der Auftragsausblick liefert dagegen den näheren Maßstab dafür, welches Wachstum Anleger kurzfristig erwarten können. Die Sorge vor einer Verdrängung durch KI besteht deshalb neben den Chancen durch ihren Einsatz.

Analysten senken Ziele, nicht Anlageurteile

Citigroup senkte am Donnerstag das Kursziel von 170 $ auf 157 $ und beließ die Einstufung bei „Kaufen“. Die Korrektur betraf damit die Zielbewertung, nicht die grundsätzliche Empfehlung.

Ein ähnliches Bild zeigte Morgan Stanley: Das Haus reduzierte sein Kursziel am Donnerstag von 180 $ auf 160 $ und behielt die Einstufung „Übergewichten“ bei. Auch weitere Analysten kürzten ihre Ziele bei weiterhin positiver Empfehlung.

Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Trennung: ServiceNows Kundenmeldungen liefern konkrete Belege für den Einsatz der Plattform. Ob daraus ausreichend Wachstum entsteht, bleibt die entscheidende Bewährungsprobe für die positive Einschätzung der Aktie.