ServiceNow setzt auf eigene KI-Produkte statt auf den Kauf von Decagon. Die gestern vorgestellten Erweiterungen von EmployeeWorks sollen Beschäftigten die Erstellung eigener KI-Assistenten erleichtern. Für Anleger steht damit die wirtschaftliche Frage im Mittelpunkt: Wie viel zusätzliches Geschäft entsteht aus den neuen Angeboten? TD Cowen sieht bereits Anzeichen für höherwertige Vertragsverlängerungen und erwartet starke Quartalszahlen.

Die erneute Absage an einen Decagon-Kauf unterstreicht diesen Schwerpunkt. COO Amit Zavery erklärte am Mittwoch, ServiceNow habe weder Interesse noch Absicht, den KI-Kundendienstanbieter zu übernehmen. Vorrang habe weiterhin organisches Wachstum.

EmployeeWorks soll KI-Nutzung verbreitern

Mit der nächsten EmployeeWorks-Generation können Beschäftigte ohne Programmierkenntnisse eigene Produktivitätsassistenten und wiederkehrende Arbeitsabläufe erstellen. Dabei gelten administrative Vorgaben. Vorgefertigte Assistenten unterstützen Recherchen und die Terminplanung; hinzu kommen spezialisierte Funktionen für Personalabteilungen.

ToolSmith soll die dafür nötigen Automatisierungen und Integrationen anhand natürlicher Sprache erstellen. Nach Unternehmensangaben ist das Werkzeug auf über 75.000 Programmierschnittstellen trainiert. Die Conversations API soll EmployeeWorks außerdem in bestehende Anwendungen und andere KI-Angebote einbinden.

Damit verbindet ServiceNow eine einfachere Erstellung von KI-Anwendungen mit deren Einbettung in vorhandene Arbeitsabläufe. Die Funktionen befinden sich zunächst in kontrollierter Verfügbarkeit. Ein breiter Einsatz und dessen wirtschaftlicher Beitrag sind damit noch nicht belegt.

Ergänzend stellte das Unternehmen gestern AI Passport vor. Die Lösung soll Identitäten und Berechtigungen von unternehmenseigenen sowie fremden KI-Agenten überprüfen. Nvidia ist Design- und Einführungspartner. Die Verfügbarkeit wird für das vierte Quartal 2026 erwartet.

TD Cowen setzt auf Vertragsaufwertungen

Analyst Derrick Wood von TD Cowen erwartet Unterstützung durch Upgrades auf ITSM Prime, das Armis-Sicherheitsgeschäft und die US-Bundesnachfrage. Das Analysehaus bestätigte am Mittwoch seine Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel von 140 auf 165 US-Dollar.

Den entscheidenden Hebel sieht Wood nicht allein in zusätzlichen Produkten. Bestehende Kunden könnten bei Vertragsverlängerungen auf umfangreichere KI-Angebote wechseln und dadurch höhere Preise akzeptieren.

Laut einem von TD Cowen zitierten Partner führen etwa 50 Prozent der Verlängerungsgespräche zu KI-Upgrades, meist auf Prime. Diese können den durchschnittlichen Verkaufspreis um rund 30 Prozent erhöhen. Wood hält zudem eine moderate Beschleunigung des cRPO-Wachstums für möglich.

Quartalsbericht muss Mehrerlöse sichtbar machen

Offen bleibt allerdings, wie ServiceNow die erweiterten Angebote bepreist. Ebenso unklar ist, welcher Anteil tatsächlich zusätzliche jährliche KI-Vertragswerte erzeugt und welcher lediglich bestehende Verträge verändert. Produktankündigungen allein beantworten diese Frage nicht.

Die für den 28. Oktober geplanten Quartalszahlen werden deshalb zum nächsten Prüfstein. Besonders relevant sind Angaben zu KI-Vertragswerten, zur Nutzung der Angebote und zur Einführung von ToolSmith und AI Passport.

Die Aktie gewann gestern 5,6% und spiegelte damit die positive Aufnahme der Nachrichten wider. Für die weitere Einordnung zählt jedoch vor allem, ob ServiceNow die von TD Cowen erwarteten Vertragsaufwertungen und Wachstumsimpulse mit Geschäftszahlen untermauert.