Für mich steckt die wichtigste Botschaft von ServiceNow in dieser Woche im Wort „kontrolliert“. Die am Donnerstag angekündigte Erweiterung der Zusammenarbeit mit LTM soll den Einsatz von KI-Agenten unter klaren Kontrollvorgaben ausweiten. Für die Aktie spricht dieser Ansatz, sofern daraus ein Geschäft mit verlässlichen Anwendungen entsteht. Gerade daran dürfte sich entscheiden, wie belastbar die KI-Geschichte des Unternehmens ist.

ServiceNow und LTM verweisen auf mehr als 700 gemeinsame Kunden. LTM hat nach eigenen Angaben bereits 1.500 ServiceNow-KI-Agenten im eigenen Betrieb eingesetzt. Das gibt der geplanten Zusammenarbeit einen konkreten Ausgangspunkt: vorhandene Kundenbeziehungen und praktische Nutzung statt einer ausschließlich auf Produktankündigungen gestützten Partnerschaft.

Der interessante Gedanke dahinter reicht über die Vertriebsvereinbarung hinaus. Je mehr Aufgaben Unternehmen an KI-Agenten übertragen wollen, desto wichtiger werden Zuständigkeiten, Überwachung und nachvollziehbare Abläufe. Für ServiceNow wäre das eine Chance, sofern Kunden die Kontrolle über solche Anwendungen zusammen mit deren Einführung nachfragen.

Kontrolle als Teil des Produkts

Zu dieser Lesart passt die am 28. Oktober vorgestellte Control Tower Alliance. Zu ihren Gründungsmitgliedern gehören Anthropic, AWS, Cisco, NVIDIA und OpenAI. Die Initiative soll Unternehmen bei der Einführung und Steuerung von KI unterstützen.

Ich halte diese Verbindung von Nutzung und Aufsicht für den überzeugenderen Ansatz, wenn Unternehmen KI dauerhaft in ihre Arbeitsabläufe integrieren wollen. ServiceNow adressiert damit beide Seiten derselben Entscheidung: Welche Aufgaben können Agenten übernehmen, und unter welchen Regeln sollen sie handeln? Die Allianz unterstützt diese Positionierung, sofern aus der Zusammenarbeit praktikable Lösungen für Kunden entstehen.

Wie groß der Kontrollbedarf sein könnte, verdeutlicht eine am 23. Oktober veröffentlichte Medienberichterstattung über eine Untersuchung von ServiceNow. Sie befasste sich mit Sicherheitsvorfällen rund um KI-Agenten in britischen Unternehmen.

Dabei meldeten 88 Prozent der befragten Unternehmen einen solchen Vorfall im vorausgegangenen Jahr. Nur 36 Prozent dieser Befragten erklärten, einen Vorfall innerhalb von 24 Stunden eingedämmt zu haben.

Die Befragung unterstreicht damit ein Problem, an dem ServiceNow seine Argumentation ausrichten kann. Für Anleger gewinnt dieses Argument an Gewicht, wenn Unternehmen aus ihren Sicherheitsbedenken konkrete Anforderungen an Einführung und Betrieb von KI ableiten.

Vom Agenten zum Arbeitsablauf

Am Mittwoch ergänzte ServiceNow seine Produktpalette um den Hiring Assistant. Er gehört zu den Productivity Assistants für HR Service Delivery. Daneben stehen Assistenten für Führungskräfte und Personalverantwortliche. Der Ansatz führt KI damit an konkrete Aufgaben im Personalbereich heran.

Am selben Tag verlängerten ServiceNow und die NBA ihre Partnerschaft. Die NBA soll EmployeeWorks für die Einarbeitung neuer Beschäftigter und interne Serviceanfragen einsetzen. Solche Anwendungen machen den Nutzen greifbarer, sofern sie sich im Arbeitsalltag bewähren: Ein klar umrissener Prozess liefert einen konkreteren Prüfstein als ein allgemeines Versprechen höherer Produktivität.

Für mich liegt darin der rote Faden dieser Meldungen. ServiceNow verbindet KI mit betrieblichen Abläufen und deren Steuerung. Das spricht für die Strategie, wenn Kunden diese Kombination als zusammenhängende Aufgabe behandeln und entsprechend einsetzen.

Die Börse verlangt wirtschaftliche Belege

Die Anlegerdebatte bleibt anspruchsvoller. Am 29. Oktober geriet die Aktie nach den Quartalszahlen unter Druck. Medienberichten zufolge richteten Investoren ihren Blick auf den Ausblick für die kurzfristigen verbleibenden Leistungsverpflichtungen im Schlussquartal. Dieser deutete gegenüber dem dritten Quartal auf eine Wachstumsverlangsamung um etwa 250 Basispunkte hin.

Damit stehen praktische Fortschritte bei KI neben Sorgen über die Geschäftsdynamik. Die Verbindung beider Themen ist der entscheidende Prüfstein: ServiceNows Kontrollansatz gewinnt für Aktionäre an Bedeutung, sofern breitere Nutzung auch die wirtschaftliche Entwicklung stützt.

Mein Maßstab wäre deshalb die Verbindung aus Einsatz, Steuerbarkeit und Geschäftserfolg. Die LTM-Zusammenarbeit liefert dafür einen konkreten Ansatzpunkt. Überzeugender wird diese Positionierung, wenn aus eingesetzten Agenten und gemeinsamen Kunden dauerhaft tragfähiges Geschäft entsteht.