Mittwoch wird zur Abrechnung. ServiceNow veröffentlicht nach Börsenschluss am 22. April seine Zahlen für das erste Quartal 2026 — und der Druck ist enorm. Die Aktie hat im vergangenen Jahr fast zwei Drittel ihres Wertes verloren. Jetzt muss das Unternehmen beweisen, dass sein KI-Versprechen echte Umsätze trägt.

Was Analysten erwarten

Wall Street rechnet mit einem Gewinn von 0,95 Dollar je Aktie — ein Plus von gut 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz soll auf 3,75 Milliarden Dollar steigen, rund 21 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Besonders im Fokus steht das Abonnement-Geschäft, das Analysten bei 3,65 Milliarden Dollar sehen.

Das Unternehmen selbst hatte diesen Wert bereits als Zielspanne ausgegeben. Für das Gesamtjahr 2026 peilt ServiceNow Abonnement-Erlöse zwischen 15,53 und 15,57 Milliarden Dollar an. Die operative Marge soll auf rund 32 Prozent steigen.

Öffentlicher Sektor bremst

Nicht alles läuft rund. Teilverwaltungsstillstände in den USA und ein schwieriges Vorjahresvergleichsquartal haben die Aktie belastet. Besonders das cRPO — die kurzfristigen verbleibenden Leistungsverpflichtungen — gilt als Gradmesser für künftiges Wachstum. Branchenquellen berichten von weniger Großtransaktionen und allgemeiner Schwäche im öffentlichen Sektor.

Im KI-Segment zeichnet sich dagegen ein anderes Bild ab. Dieselben Quellen sprechen von beschleunigtem Nutzungswachstum und zunehmender Expansion im KI-Geschäft.

KI als Umsatztreiber — oder noch nicht?

Ein Analyst sieht ServiceNow auf dem Weg zu einem historischen Meilenstein: Als erstes Enterprise-Software-Unternehmen könnte es bis Ende 2026 mehr als zehn Prozent seines Gesamtumsatzes aus KI-Produkten erzielen. Anfang April hat ServiceNow alle seine Produkte mit KI-Funktionen ausgestattet — Datenkonnektivität, Workflow-Automatisierung und Sicherheitsfunktionen inklusive, ohne Aufpreis für Bestandskunden.

Kein Wunder, dass Investoren genau hinschauen. Wer KI in jedes Produkt einbaut, ohne dafür direkt zu kassieren, muss anderswo zeigen, dass sich das rechnet.

Analysten bleiben bullish

Die Analystengemeinde hält trotz gesenkter Kursziele an positiven Bewertungen fest. Truist, Mizuho, RBC Capital, Stifel und Citi haben ihre Ziele zurückgenommen, aber ihre Kaufempfehlungen behalten. Das Verhältnis ist eindeutig: 37 Kaufempfehlungen stehen drei Verkaufsempfehlungen gegenüber. ServiceNow verfügt über eine Bruttomarge von 77,5 Prozent und hat im vergangenen Jahr 4,6 Milliarden Dollar freien Cashflow erwirtschaftet.

Am Mittwoch werden neben den Umsatzzahlen vor allem zwei Dinge zählen: wie stark das cRPO trotz Gegenwind wächst — und was das Management zur KI-Monetarisierung sagt. Konkrete Aussagen zur Preissetzungsmacht bei KI-Produkten könnten den Kurs stärker bewegen als jede Umsatzzahl.