ServiceNow liefert für mich mit dem gestern veröffentlichten Beispiel von Keysight Technologies das überzeugendere Argument als mit einer weiteren KI-Ankündigung.

Keysight berichtet, Verkaufsangebote mit ServiceNow CRM und CPQ um 40% schneller zu erstellen. Das spricht für den praktischen Nutzen der Anwendungen, sofern solche Verbesserungen auch dauerhaft die Nachfrage stützen. Genau daran sollte sich die Bewertung der KI-Strategie orientieren: an messbaren Ergebnissen beim Kunden.

Die Skepsis der Anleger hat allerdings einen nachvollziehbaren Hintergrund. Reuters berichtete am 29. Oktober über fallende Softwareaktien nach den ServiceNow-Quartalszahlen. Dabei standen Sorgen vor einer Verdrängung durch KI und Zweifel an der Erfüllung hoher Erwartungen im Mittelpunkt. Für mich ergibt sich daraus eine klare Messlatte: ServiceNow muss zeigen, dass seine Anwendungen durch KI wirtschaftlich wertvoller werden.

Ein Kundenbeispiel mit Aussagekraft

Neben der schnelleren Angebotserstellung meldete Keysight einen um 50–80% geringeren Zeitaufwand für die Einrichtung und Pflege von Konfigurationen. Das ist aus Anlegersicht relevant, weil die Verbesserung einen konkreten Arbeitsprozess betrifft. Der Nutzen lässt sich damit an einer betrieblichen Aufgabe festmachen, statt allein an der Leistungsfähigkeit einer Technologie.

Gerade darin liegt für mich die Stärke dieser Meldung. Wer Angebote schneller erstellt und weniger Aufwand für Konfigurationen benötigt, erhält einen nachvollziehbaren Grund für den Einsatz der Software. Für ServiceNow spricht das, sofern Kunden diesen Nutzen bei Vertragsentscheidungen entsprechend gewichten. Der wirtschaftliche Prüfstein bleibt also die Verbindung zwischen besserem Arbeitsablauf und Zahlungsbereitschaft.

Das Beispiel sollte dabei als konkrete Kundenerfahrung gelesen werden. Seine Aussagekraft für ServiceNow würde wachsen, wenn vergleichbare Effekte bei weiteren Kunden sichtbar würden. Eine solche Entwicklung könnte die Diskussion zugunsten des Unternehmens verschieben: weg von abstrakten Verdrängungsängsten und hin zur Frage, welche Anwendungen im Arbeitsalltag tatsächlich gebraucht werden.

Wachstum trifft auf hohe Erwartungen

Die operative Ausgangslage bietet dafür durchaus Substanz. ServiceNow meldete für das dritte Quartal 2026 ein Wachstum der Abonnementerlöse von 21% gegenüber dem Vorjahr. Zugleich erhöhte das Unternehmen seine Jahresprognosen für Abonnementerlöse und die Marge des freien Cashflows.

Für mich spricht diese Kombination für operative Stärke, solange ServiceNow das Wachstum in verlässliche Geschäftsaussichten übersetzen kann. Die Reaktion auf die Quartalszahlen zeigt jedoch, wie anspruchsvoll dieser Maßstab geworden ist. Medienberichten zufolge belasteten eine Umsatzprognose für das Schlussquartal unter den Analystenerwartungen sowie langsameres Wachstum beim Auftragsbestand.

Damit wird die Qualität des Wachstums zum entscheidenden Punkt. Gute Kundenergebnisse stärken die langfristige Argumentation, sofern daraus zusätzliche oder beständigere Geschäftsbeziehungen entstehen. Gleichzeitig verdienen Hinweise auf eine schwächere Geschäftsdynamik Gewicht. Wer die Chancen beurteilen will, sollte deshalb Kundennutzen und Geschäftsentwicklung gemeinsam betrachten.

Partnerschaften brauchen wirtschaftliche Wirkung

ServiceNow verbreitert zugleich seine Zusammenarbeit mit großen KI-Anbietern. Am 28. Oktober kündigte das Unternehmen eine erweiterte Partnerschaft mit OpenAI an. Sie umfasst Unternehmensabläufe, Cybersicherheit und die Entwicklung agentenbasierter Anwendungen. Bereits am 27. Oktober hatten ServiceNow und Google Cloud eine ausgeweitete Zusammenarbeit für branchenspezifische Arbeitsabläufe angekündigt.

Diese Verbindungen sprechen für ServiceNows Ansatz, unterschiedliche KI-Technologien in Unternehmensprozesse einzubinden, sofern daraus ein belastbarer Mehrwert für Kunden entsteht. Ich würde ihre Bedeutung deshalb am selben Maßstab messen wie das Keysight-Beispiel: Welche Aufgabe verbessert sich konkret, und trägt diese Verbesserung das Geschäft?

Unterm Strich fällt mein Urteil vorsichtig konstruktiv aus. Das gemeldete Wachstum und der konkrete Produktivitätsgewinn bei Keysight sprechen für ServiceNow, solange bessere Arbeitsabläufe die Nachfrage nachhaltig stützen. Den stärksten Beleg für die KI-Strategie liefern aus meiner Sicht Kunden, die einen messbaren Nutzen erzielen. Genau solche Ergebnisse sollten künftig das Fundament der Anlegererwartungen bilden.