Der Ausverkauf nach den Quartalszahlen ist für mich vor allem ein Misstrauensvotum gegen ServiceNows Wachstumsversprechen. Reuters berichtete am 29. Oktober über fallende Softwareaktien und Sorgen vor Verdrängung durch künstliche Intelligenz.
ServiceNow hat darauf durchaus eine strategische Antwort. Doch Partnerschaften und höhere Zielmarken ersetzen noch keinen Beweis dafür, dass KI dauerhaft zusätzliches Geschäft schafft. Diese Unterscheidung sollte die Bewertung bestimmen.
Die Skepsis hat einen sachlichen Kern
Die am 28. Oktober veröffentlichten Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 enthalten einen echten Schwachpunkt. Medienberichten zufolge erreichte der bereinigte Gewinn je Aktie 1,00 $ statt der erwarteten 1,02 $. Die Abweichung ist gering. Sie zeigt aber, dass steigende Erlöse nicht automatisch sämtliche Erwartungen erfüllen.
Für mich wäre es deshalb zu einfach, die negative Reaktion nur als überzogene Angst vor KI abzutun. Anleger müssen nicht allein beurteilen, ob ServiceNow wächst. Entscheidend ist auch, wie belastbar dieses Wachstum ist und was davon beim Ergebnis ankommt. Eine angehobene Umsatzprognose beantwortet diese Frage nur teilweise.
Beim kurzfristig zu realisierenden Auftragsbestand, dem cRPO, meldete ServiceNow 13,65 Milliarden $ und ein Wachstum von 20,5 %. Für das Schlussquartal stellte das Management ein Wachstum von 18,5 % in Aussicht.
Damit signalisiert der Ausblick eine niedrigere Wachstumsrate. Das ist kein Beleg für einen Einbruch des Geschäfts. Es ist aber ein nachvollziehbarer Grund, die Dynamik kritischer zu prüfen. Wer den Kursrückgang ausschließlich mit einer pauschalen Abneigung gegen Software erklärt, unterschätzt diesen unternehmensspezifischen Punkt.
Das operative Geschäft widerspricht der Untergangsthese
Genauso wenig rechtfertigen die Ergebnisse allerdings das Urteil, ServiceNow werde bereits durch KI verdrängt. Die Abonnementerlöse stiegen um 21 % auf 3.988 Millionen $. Der Gesamtumsatz erreichte 4.106 Millionen $.
ServiceNow erklärte zudem, das obere Ende der eigenen Quartalsprognose übertroffen zu haben. Das Unternehmen hob sowohl den Jahresausblick für die Abonnementerlöse als auch für die freie Cashflow-Marge an. Für mich spricht diese Kombination gegen die einfache Erzählung eines bereits erodierenden Geschäftsmodells. Enttäuschte Börsenerwartungen und operative Schwäche sind nicht dasselbe.
Für 2026 erhöhte ServiceNow die Prognose der Abonnementerlöse auf 15.780 Millionen $. Zugleich stieg das Ziel für den annualisierten KI-Vertragswert auf 1,7 Milliarden $.
Gerade die zweite Zahl verdient eine nüchterne Behandlung: Sie ist ein Ziel und kein bereits gemeldeter Umsatz. Ich sehe darin einen ambitionierteren Anspruch des Managements, nicht dessen Erfüllung. Die überzeugendere Lesart der Zahlen lautet deshalb: Das bestehende Geschäft wächst kräftig, während ServiceNow die wirtschaftliche Bedeutung seiner KI-Angebote noch weiter belegen muss.
Partnerschaften sind ein Ansatz, kein Freispruch
Die am 28. Oktober angekündigte Ausweitung der Zusammenarbeit mit OpenAI passt zu dieser Aufgabe. Sie umfasst eine ServiceNow-Integration für kontrollierte Workflow-Aktionen über ChatGPT. Darüber hinaus sind OpenAI-gestützte Funktionen für Anwendungsentwicklung, Sicherheit und KI-Risikobewertungen geplant.
Strategisch halte ich diese Richtung für plausibel. ServiceNow versucht damit, KI nicht nur als zusätzliche Funktion anzubieten, sondern sie mit konkreten Arbeitsabläufen und deren Kontrolle zu verbinden. Das könnte die Plattform relevanter machen. Aus der Ankündigung allein lässt sich allerdings weder ein zusätzlicher Erlös noch ein Ergebnisbeitrag ableiten.
Auch die am 27. Oktober erweiterte Partnerschaft mit Google Cloud folgt diesem Ansatz. Geplant sind Verbindungen zwischen ServiceNows Branchen-Workflows und Gemini Enterprise für Einzelhandel, Telekommunikationsvertrieb und IT. Die unterschiedlichen Partner sprechen aus meiner Sicht für eine breiter angelegte Strategie statt einer einzigen technologischen Wette.
Mein Fazit fällt deshalb weder euphorisch noch grundsätzlich pessimistisch aus. Die jüngsten Ergebnisse tragen keine Untergangsthese, der vorsichtigere Auftragsausblick verdient aber Aufmerksamkeit. ServiceNows KI-Strategie ist für mich plausibel, ihre wirtschaftliche Bewährungsprobe noch nicht abgeschlossen.
Entscheidend wird sein, ob aus angekündigten Integrationen und höheren Vertragszielen dauerhaft überzeugende Geschäftszahlen werden. Bis dahin ist kritische Geduld angemessener als ein Vertrauensvorschuss.
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