Die Ära der reinen KI-Versprechen neigt sich dem Ende zu – für Anleger zählt nun die Skalierbarkeit. ServiceNow scheint diesen Übergang derzeit besser zu meistern als viele Konkurrenten im Software-Sektor.
Während andere Unternehmen noch nach dem richtigen Geschäftsmodell für generative Intelligenz suchen, liefert der Konzern aus Santa Clara bereits konkrete Strukturen für den Einsatz in globalen Unternehmen. Für mich zeigt sich hier ein Muster: ServiceNow wandelt sich konsequent vom IT-Dienstleister zum Architekten der „Autonomous Enterprise“.
KI-Skalierung statt bloßer Pilotprojekte
Ein entscheidender Beleg für diese Reife ist die am vergangenen Donnerstag bekannt gegebene Erweiterung der Partnerschaft mit Tech Mahindra. Hier geht es nicht mehr um vorsichtige Testläufe. Das Ziel ist die Bereitstellung von KI-Lösungen im Produktionsmaßstab.
Tech Mahindra richtet dafür ein spezielles „AI & Innovation Centre of Excellence“ ein und nutzt Technologien wie den ServiceNow AI Control Tower. Dass Tech Mahindra bereits jetzt rund 100.000 Fälle pro Monat über ServiceNow-Systeme abwickelt und dabei die Effizienz im IT-Support um etwa 25 Prozent steigern konnte, ist eine Hausnummer, die im Markt Gehör findet.
Dieser Fokus auf Autonomie zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngsten strategischen Entscheidungen. Anfang August präsentierte ServiceNow seine Vision für „Autonomous Security“. Mit sechs neuen Lösungen, darunter einem KI-Spezialisten für die autonome Behebung von Sicherheitslücken, besetzt das Unternehmen ein kritisches Feld.
In einer Zeit, in der Cyber-Bedrohungen komplexer werden, ist die Automatisierung der Reaktion kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit. ServiceNow positioniert sich hier als zentrale Plattform, die verschiedene Sicherheitsaspekte von der Identitätsprüfung bis zur Reaktion auf Vorfälle vereint.
Analysten reagieren auf das veränderte Sentiment
Diese operative Stärke schlägt sich auch in den Einschätzungen der Experten nieder. Am vergangenen Mittwoch hob der Analyst Tal Liani von der Bank of America das Kursziel für das Papier von 130 auf 150 Dollar an und bekräftigte seine Kaufempfehlung.
Bemerkenswert ist dabei die Begründung: Die Anpassung spiegelt weniger fundamentale Änderungen in der Bilanz wider, sondern vielmehr eine Verschiebung der Marktstimmung zugunsten der KI-Profiteure. Die Anleger scheinen zu realisieren, dass ServiceNow einer der wenigen Akteure ist, die KI-Tailwinds tatsächlich in Umsatz ummünzen können.
Ein Blick zurück auf den Beginn des vergangenen Monats verdeutlicht die Dynamik. Damals stufte Guggenheim die Aktie noch von „Neutral“ auf „Buy“ hoch – primär mit dem Argument, die Bewertung sei nach einer Durststrecke schlicht zu günstig und biete eine Sicherheitsmarge.
Das Kursziel lag damals noch bei vorsichtigen 125 Dollar. Dass wir heute über deutlich höhere Marken diskutieren, zeigt, wie schnell sich das Vertrauen in die Monetarisierung der KI-Angebote gefestigt hat. Die Aktie spiegelt dies wider und konnte in den letzten 30 Tagen um beachtliche 27 Prozent zulegen.
Starke Finanzbasis als Fundament der Expansion
Das Vertrauen der Märkte speist sich nicht zuletzt aus den soliden Zahlen, die das Unternehmen vor rund einem Monat vorlegte. Mit einem Wachstum der Abo-Umsätze um 24,5 Prozent auf 3,877 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal hat ServiceNow die Erwartungen übertroffen.
Besonders beeindruckend ist für mich die Tatsache, dass die KI-Sparte bereits die Marke von einer Milliarde US-Dollar beim jährlichen Vertragsvolumen überschritten hat. Auch die Zahl der Großkunden wächst stetig: 658 Kunden bringen mittlerweile ein jährliches Vertragsvolumen von mehr als 5 Millionen US-Dollar ein.
Zwar gab es am 13. August eine Meldung über einen Insider-Verkauf durch den Director Paul Edward Chamberlain, der 1.500 Aktien zu einem Preis von 125,60 Dollar veräußerte. Solche Transaktionen im Rahmen eines festen Handelsplans sind jedoch üblich und ändern nichts an der fundamentalen Aufstellung.
Das Unternehmen investiert zudem klug in Randbereiche, wie die 40-Millionen-Dollar-Beteiligung am indischen Bankensoftware-Spezialisten BusinessNext im vergangenen Monat zeigt.
Unterm Strich notiert die Aktie heute bei 110,05 Euro, was einem leichten Tagesrückgang von 0,4 Prozent entspricht. Das ändert jedoch nichts an meiner Einschätzung, dass ServiceNow derzeit eine Ausnahmestellung einnimmt.
Der Konzern profitiert nicht nur passiv von einem Trend, sondern gestaltet die technologische Infrastruktur für die kommende Ära der autonomen Software aktiv mit. Wer auf die industrielle Anwendung von KI setzt, kommt an diesem Wert kaum vorbei.
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