Zwei Analystenhäuser erhöhen binnen 24 Stunden ihre Kursziele für Sherwin-Williams — und trotzdem bleibt eine der beiden Bank bei einer bloßen Halteempfehlung. Der Widerspruch zeigt, wie gespalten die Wall Street den jüngsten Höhenflug des Farbenherstellers einschätzt.
Ausgangspunkt ist ein überraschend starkes zweites Quartal. Sherwin-Williams verdiente je Aktie 3,70 Dollar und übertraf damit sowohl die eigene Prognose als auch den Marktkonsens deutlich. Der Umsatz kletterte auf 6,79 Milliarden Dollar, das bereinigte EBITDA stieg um 10,5 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Die Übernahme des brasilianischen Farbenherstellers Suvinil trug dabei spürbar zum Wachstum bei. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von rund acht Prozent und war damit einer der stärksten Werte im Dow Jones.
Morgan Stanley optimistischer als Jefferies
Morgan Stanley zog die Konsequenz und hob das Kursziel auf 395 Dollar von zuvor 385 Dollar an, bei unveränderter Übergewichten-Einstufung. Die Bank schraubte gleich mehrere Gewinnschätzungen nach oben: Für das dritte Quartal 2026 rechnet sie nun mit 3,64 Dollar pro Aktie, für das Gesamtjahr mit 12,15 Dollar. Besonders die Sparten Consumer Brands und Performance Coatings sollen von der verbesserten Profitabilität profitieren, während der Ausblick für die klassischen Farbgeschäfte moderater bleibt.
Jefferies zeigt sich vorsichtiger. Das Kursziel wandert zwar auf 375 Dollar von 360 Dollar, das Rating bleibt jedoch bei „Hold“. Die Analysten verweisen auf einen weiterhin zurückhaltenden Konsumenten, eine Industrienachfrage nahe ihrem Tiefpunkt und rückläufige Neubauaktivität. Diese Belastungen würden aber durch Marktanteilsgewinne und neue Kundenaufträge mehr als ausgeglichen — auch weil steigende Rohstoffkosten durch Preiserhöhungen und Effizienzgewinne kompensiert werden.
Sherwin-Williams selbst hat die Jahresprognose angehoben: Der Umsatz soll 2026 im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich wachsen, der bereinigte Gewinn je Aktie zwischen 11,80 und 12,20 Dollar liegen. Das Management dämpft allerdings die Erwartungen an eine breite Erholung der Nachfrage — die dürfte nach eigener Einschätzung vorerst ausbleiben.
Der Kontrast zwischen operativer Stärke und Bewertungssorge bleibt das eigentliche Thema. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 30 und einer bereits 33 Jahre andauernden Dividendenserie gilt die Aktie manchen Marktbeobachtern als ambitioniert bewertet, selbst nach den frischen Zielanhebungen. Für das dritte Quartal rechnen Analysten mit einem Umsatzwachstum zwischen vier und neun Prozent — die nächsten Zahlen dürften zeigen, ob die Preismacht des Unternehmens die hohe Bewertung weiterhin rechtfertigt.
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