Siemens legt das stärkste dritte Quartal seiner Geschichte vor und hebt die Gewinnprognose an. Die Aktie reagiert trotzdem mit Verlusten. Der Grund: Am Vortag hatte das Papier ein Rekordhoch erreicht, jetzt nehmen Anleger Gewinne mit — ein Muster, das zeigt, wie hoch die Erwartungen bereits im Kurs stecken.
Rekordaufträge treiben die Prognose nach oben
Der Auftragseingang kletterte im dritten Geschäftsquartal um 14 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro — ein Bestwert, angetrieben vor allem von Smart Infrastructure. Der Umsatz stieg um 8 Prozent auf rund 20,8 Milliarden Euro, das Ergebnis im Industriegeschäft legte um ein Viertel auf 3,5 Milliarden Euro zu und markiert mit einer Marge von 17,3 Prozent ebenfalls einen Rekord.
Der freie Zahlungsmittelüberschuss schoss um mehr als 40 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro nach oben, der Auftragsbestand erreichte mit 132 Milliarden Euro ein neues Hoch. Siemens hebt deshalb den Ausblick für das Ergebnis je Aktie vor Kaufpreisallokation auf 11,20 bis 11,50 Euro an, nach zuvor 10,70 bis 11,10 Euro. Den Umsatzausblick von 6 bis 8 Prozent vergleichbarem Wachstum bestätigt der Konzern, peilt aber weiter das obere Ende der Spanne an.
Am Kapitalmarkt fiel das Echo gemischt aus. Analysten lobten die Breite des Wachstums über alle Sparten hinweg, wenngleich das neue Gewinnziel für manche Häuser bereits im Konsens lag.
Data-Center-Boom als Wachstumstreiber
Smart Infrastructure knackte im Quartal erstmals die Marke von 8 Milliarden Euro beim Auftragseingang und hob als Folge sowohl das Umsatz- als auch das Margenziel für das Gesamtjahr an. Treiber sind vor allem Großaufträge von Rechenzentrumskunden in den USA und Europa. Konzernchef Roland Busch verwies darauf, dass neun der zehn weltweit größten Rechenzentrumsbetreiber auf Siemens-Technik setzen, und zeigte sich zuversichtlich, dass der KI-getriebene Investitionsboom über 2027 hinaus anhält.
Digital Industries profitierte von einer anziehenden Nachfrage im Softwaregeschäft, während Mobility beim Auftragseingang zwar hoch blieb, das Ergebnis dort aber leicht hinter dem Vorjahr zurückblieb. In Europa bleibt das Bild uneinheitlich: Automobilindustrie und Chemie schwächeln, während Luftfahrt, Verteidigung und Halbleiter kräftig investieren.
Healthineers-Trennung nimmt Formen an
Bei der geplanten Abspaltung von Siemens Healthineers ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Die zuständigen Finanzbehörden haben die steuerlichen Rahmenbedingungen verbindlich geklärt, sodass der Spin-off wie vorgesehen weiterverfolgt werden kann. Die Aktionäre beider Unternehmen sollen darüber auf ihren Hauptversammlungen im Februar 2027 abstimmen, weitere Details will Siemens mit den Jahreszahlen im November nachreichen.
Parallel dazu reduziert Siemens die Zahl der eigenen Vorstandsmandate im Healthineers-Aufsichtsrat von drei auf eins. Busch und Finanzvorständin Veronika Bienert legen ihre Mandate zur nächsten Healthineers-Hauptversammlung nieder. Siemens hatte die Trennung von der margenschwachen Medizintechniksparte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, nachdem Aktionäre lange eine reine Finanzbeteiligung gefordert hatten.
Zusätzlich läuft seit Anfang Juli ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 6 Milliarden Euro über fünf Jahre, im ersten Monat wurden bereits 400 Millionen Euro davon umgesetzt. Die nächsten konkreten Zahlen liefert Siemens mit dem Jahresabschluss am 12. November 2026 — dann dürfte auch klarer werden, wie tragfähig der aktuelle Rekordkurs in das neue Geschäftsjahr trägt.
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