Die Zahlen glänzen, die Prognose steigt – doch die Aktie fällt. Siemens liefert im ersten Quartal 2026 operative Bestwerte ab, hebt die Jahresprognose an und treibt den radikalsten Konzernumbau seit Jahren voran. Trotzdem rutscht der Kurs unter die 200-Tage-Linie. Was steckt hinter dieser Diskrepanz?
Rekordquartal mit Wachstum auf ganzer Linie
Der Münchner Industriekonzern verzeichnete im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Auftragseingang von 21,4 Milliarden Euro – ein Plus von 10 Prozent auf vergleichbarer Basis. Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 19,1 Milliarden Euro. Besonders bemerkenswert: Alle Industriesparten trugen zum Wachstum bei.
Der Gewinn des Industriegeschäfts erreichte 2,9 Milliarden Euro bei einer Marge von 15,6 Prozent. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 2,80 Euro – deutlich über den 2,22 Euro des Vorjahresquartals, wenn man den damaligen Innomotics-Verkaufsgewinn von 2,64 Euro je Aktie herausrechnet. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,12 signalisiert weiter steigende Umsätze.
Rechenzentren treiben Smart Infrastructure
Ein zentraler Wachstumsmotor war die Sparte Smart Infrastructure. Aufträge für Rechenzentrumslösungen ließen den Segmentumsatz um 35 Prozent hochschnellen. Mehrere Großaufträge aus den USA für Cloud- und KI-Infrastrukturprojekte im Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Euro trieben das US-Auftragsvolumen allein um 54 Prozent nach oben.
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Das Management reagierte prompt: Die Prognose für das bereinigte Ergebnis je Aktie wurde von 10,40 bis 11,00 Euro auf 10,70 bis 11,10 Euro angehoben. Beim Umsatzwachstum erwartet Siemens nun eine Entwicklung in der oberen Hälfte der Zielspanne von 6 bis 8 Prozent.
Healthineers-Abspaltung nimmt Gestalt an
Parallel zum operativen Erfolg treibt Siemens den tiefgreifendsten Konzernumbau seit Jahren voran. Vorstand und Aufsichtsrat haben einen Plan gebilligt, die Mehrheitsbeteiligung an der Medizintechnik-Tochter Healthineers abzugeben. Rund 30 Prozent der Anteile sollen direkt an Siemens-Aktionäre abgespalten werden.
Die Transaktion würde dazu führen, dass Siemens die Kontrollmehrheit verliert und Healthineers mittelfristig nur noch als Finanzbeteiligung hält. Details zu Zeitplan und Struktur werden für Anfang des zweiten Quartals erwartet – die finale Genehmigung durch Hauptversammlungen und Regulierungsbehörden steht noch aus.
Am 1. April übernimmt zudem Veronika Bienert den CFO-Posten von Ralf P. Thomas, der nach über 30 Jahren im Konzern ausscheidet.
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KI-Offensive mit 200-Millionen-Investment
Siemens investiert rund 200 Millionen Euro in die Transformation des Standorts Amberg zu einer vollständig KI-gesteuerten Fabrik bis 2030. Eine vertiefte Partnerschaft mit NVIDIA zielt auf die weltweit ersten autonomen, selbstlernenden Produktionsstätten ab. Die Electronics Factory in Erlangen dient ab diesem Jahr als erstes Referenzprojekt.
Beim Aktienrückkauf liegt das Unternehmen deutlich vor Plan: Von der Gesamtermächtigung über 6 Milliarden Euro wurden bereits knapp 4,4 Milliarden Euro eingesetzt. Im März werden 18 Millionen eigene Aktien eingezogen, wodurch das Grundkapital auf 782 Millionen Aktien sinkt.
Marktzurückhaltung trotz Stärke
Hier zeigt sich das Paradox: Trotz Rekordquartal und angehobener Prognose steht die Aktie unter Druck. Nach einem Allzeithoch von 273,30 Euro hat der Kurs eine Korrektur von mehr als 15 Prozent durchlaufen. Am 5. März fiel die Aktie unter die 200-Tage-Linie – ein charttechnisch relevantes Signal.
Seit Jahresbeginn verzeichnet der Titel einen Verlust von rund 6 Prozent. Offenbar überwiegen bei Investoren derzeit Unsicherheiten über die Healthineers-Transaktion und deren Bewertungseffekte die starken operativen Zahlen.
Am 13. Mai folgen die Q2-Ergebnisse. Sie werden zeigen, ob das starke Auftragsmomentum – insbesondere aus dem boomenden Rechenzentrumssegment – durch das Geschäftsjahr trägt. Noch wichtiger dürften die Details zur Healthineers-Abspaltung werden, die für Anfang April angekündigt sind.
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