Die Siemens-Aktie hat einen starken Lauf hinter sich, und nun streiten die Analysten darüber, wie viel davon schon im Kurs steckt. Jefferies senkt das Votum auf „Hold“, hebt aber zugleich das Kursziel an. Bernstein Research bleibt dagegen klar bei „Kaufen“.

Jefferies sieht Risiken im Digitalgeschäft

Jefferies stuft Siemens von „Buy“ auf „Hold“ ab und erhöht das Kursziel von 277 auf 300 Euro. Die Begründung: Der Konzern gehe mit hoher Auftragsvisibilität ins Geschäftsjahr 2027, nach starkem Bestelleingang im laufenden Jahr. Das dürfte Wachstum und Hebel bei den Betriebskosten bringen. Nach Einschätzung der Bank steckt das aber weitgehend in den Konsensschätzungen.

Positiver sieht Jefferies die Sparte Smart Infrastructure. Dem stehen Risiken bei Digital Industries gegenüber. Die Bank erwartet dort für 2027 rund 4 Prozent weniger Aufträge und ein um 4 Prozent niedrigeres EBITA als der Markt, bei einer etwas schwächeren Marge.

Als Gründe nennt Jefferies eine verhaltene Industriekonjunktur in Europa und eine weiterhin schwache Nachfrage in China. Zudem wachse das Risiko für die Exportmärkte, die bisher die Stärke getragen haben. Die Gesamtschätzungen hob das Haus im niedrigen einstelligen Prozentbereich an, bevorzugt aber andere Titel.

Bernstein bleibt optimistisch

Ein anderes Bild zeichnet Bernstein Research. Der Aufschwung der europäischen Investitionsgüterindustrie stehe noch am Anfang, heißt es dort. Das Kursziel liegt bei 330 Euro, die Kaufempfehlung bleibt bestehen.

Die Spanne zwischen 300 und 330 Euro zeigt, wie unterschiedlich die Konjunktur im Industriegeschäft gelesen wird.

Chartbild nach der Korrektur

Seit dem Frühjahrstief bei 198 Euro hat die Aktie kräftig zugelegt. Am 28. August markierte sie mit 291,70 Euro ein Jahreshoch. Danach korrigierte sie bis auf 260 Euro und notiert aktuell bei rund 271 Euro.

Gelingt in den kommenden Wochen ein Rückweg zum Hoch, würden Hebelprodukte überproportional profitieren. Ein Turbo-Call mit Knock-out-Marke bei 252,221 Euro würde bei 291,70 Euro nach Rechenbeispielen von Marktbeobachtern rund 105 Prozent gewinnen. Fällt die Aktie jedoch auf die Marke oder darunter, ist der Einsatz verloren.

Die Marke von 291,70 Euro bleibt damit der erste Test. Darüber rückt das Jefferies-Ziel von 300 Euro in Reichweite, darunter dürfte die Zone um 260 Euro erneut in den Blick geraten.