Ein Rekordquartal und die Aussicht auf eine mögliche Aufspaltung des Konzerns treiben die Aktie von Siemens Energy weiter an. Der Kurs notiert am Dienstag bei 158,26 Euro und legt im Tagesverlauf um 1,57 Prozent zu. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, erreicht am 24. April 2026, fehlen damit weiterhin 19,00 Prozent – Anleger sehen trotz der jüngsten Rekordzahlen noch Luft nach oben.

Gewinn und Umsatz übertreffen die Prognosen deutlich

Siemens Energy meldete am Mittwoch vergangener Woche für das dritte Geschäftsquartal 2025/26 einen Rekord bei Auftragseingang und Umsatz sowie einen sprunghaften Gewinnanstieg. Das bereinigte Konzernergebnis kletterte auf 1,623 Milliarden Euro und übertraf damit die Prognose von 1,380 Milliarden Euro deutlich – im Vorjahresquartal waren es lediglich 0,497 Milliarden Euro.

Der Umsatz stieg auf 11,447 Milliarden Euro gegenüber einer Markterwartung von 11,221 Milliarden Euro und einem Vorjahreswert von 9,745 Milliarden Euro. Die bereinigte Konzernmarge sprang auf 14,2 Prozent, nach 5,1 Prozent im Vorjahr und über der Prognose von 12,3 Prozent.

Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend heftig aus: Am Handelstag der Zahlen sprang die Aktie zu Handelsbeginn um mehr als fünf Prozent nach oben, wie dpa-AFX berichtete. Seither hat sich die Kursbewegung fortgesetzt – auf Wochensicht steht ein Plus von 3,06 Prozent zu Buche, das Papier notiert derzeit knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 155,04 Euro.

Windgeschäft dreht erstmals seit 2022 in die Gewinnzone

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Windturbinengeschäft Siemens Gamesa. Dort erzielte Siemens Energy im dritten Quartal erstmals seit 2022 wieder einen operativen Quartalsgewinn – ein Wendepunkt für die lange Zeit defizitäre Sparte.

Reuters berichtete, dass die Nachfragedynamik in den Bereichen KI-Rechenzentren und Nahost die Geschäftsentwicklung gestützt habe. Der Strombedarf von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz gilt damit als zusätzlicher Wachstumstreiber, der über das klassische Windgeschäft hinausreicht.

Aufsichtsrat prüft Zukunft der Industriesparte

Parallel zu den starken operativen Zahlen rückt eine mögliche Strukturveränderung des Konzerns in den Fokus. Reuters zitierte Konzernchef Christian Bruch mit der Aussage, dass Gespräche über die Zukunft der Sparte Transformation of Industry liefen.

Nach Reuters-Informationen soll sich der Aufsichtsrat von Siemens Energy am 25. August in einer außerordentlichen Sitzung mit einer möglichen Abspaltung der Division befassen. Für Anleger bedeutet das: Neben der operativen Erholung steht nun auch eine potenzielle Neuordnung der Konzernstruktur im Raum, deren Ausgang den Wert der Einzelteile verändern könnte.

Analysten überwiegend zuversichtlich, ein Haus widerspricht

Die Bank- und Analystenwelt reagierte auf die Zahlen mit einer Welle positiver Einschätzungen. JPMorgan stufte Siemens Energy am Tag der Vorlage auf Overweight ein, einen Tag später folgte die Deutsche Bank mit einer Hochstufung auf Buy.

Auch Jefferies, Berenberg, Bernstein Research und RBC bestätigten nach den Zahlen ihre Kaufempfehlungen beziehungsweise Outperform-Einstufungen. Eine Gegenstimme kommt von mwb research: Das Haus hielt an seiner Sell-Einstufung fest und bezeichnete das starke Quartal als bereits im Kurs eingepreist.

Diese Divergenz spiegelt die Lage der Aktie treffend wider. Mit einer Jahresperformance von 31,45 Prozent seit Jahresbeginn und einem Plus von 59,34 Prozent auf Zwölfmonatssicht hat das Papier bereits eine kräftige Bewertungsausweitung hinter sich.

Die anstehende Aufsichtsratssitzung Ende August dürfte zeigen, ob die operative Stärke aus dem Rekordquartal auch strukturell honoriert wird – oder ob der Markt die guten Nachrichten, wie mwb research andeutet, bereits vorweggenommen hat.