Siemens Energy setzt seinen Erholungskurs fort. Am heutigen Montag springt die Aktie um 2,38 Prozent auf 157,16 Euro und knüpft damit an die Kursgewinne der vergangenen Woche an. Zum Rekordhoch von 195,38 Euro aus dem April fehlen dem Papier noch 19,56 Prozent – Anleger honorieren damit ein drittes Quartal, das nach Unternehmensangaben in mehrfacher Hinsicht Bestwerte lieferte.

Rekordquartal treibt Kurs

Siemens Energy meldete am Mittwoch für das dritte Geschäftsquartal Rekordwerte bei Auftragseingang, Umsatzerlösen und Profitabilität. Der Auftragseingang erreichte 17,9 Milliarden Euro, der Gesamtauftragsbestand kletterte zum Quartalsende auf 162 Milliarden Euro. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,57 zeigt, dass deutlich mehr neue Aufträge eingingen als abgearbeitet wurden – ein Signal für anhaltend hohe Nachfrage über die kommenden Jahre. Das Management bestätigte die im Frühjahr angehobene Jahresprognose und stellte für die Ergebnis-Marge vor Sondereffekten, die in einer Bandbreite von 10 bis 12 Prozent liegt, eine Tendenz zum oberen Ende in Aussicht.

Auch die Windkrafttochter Siemens Gamesa trug zur positiven Entwicklung bei: Sie schrieb erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder schwarze Zahlen und liegt nach Unternehmensangaben im Plan, im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnschwelle zu erreichen.

Kapitalrückgabe nimmt Fahrt auf

Parallel zur operativen Erholung baut Siemens Energy die Ausschüttungen an Aktionäre aus. Die zweite Tranche des Aktienrückkaufs über eine Milliarde Euro nähert sich dem Abschluss. Zusammen mit der bereits abgeschlossenen ersten Tranche von zwei Milliarden Euro und der Dividendenpolitik, die 40 bis 60 Prozent des Nettoeinkommens vorsieht, sollen im laufenden Geschäftsjahr bis zu 3,6 Milliarden Euro an die Aktionäre zurückfließen. Möglich wurde dies auch durch die vorzeitige Ablösung der Bundesbürgschaften, mit der das zuvor bestehende Dividendenverbot aufgehoben wurde. Das Unternehmen kann damit früher als ursprünglich erwartet eine Dividende zahlen.

Analysten uneins über Bewertung

Die Analysten von Deutsche Bank Research honorierten den Zahlenkranz am Donnerstag mit einer Anhebung des Kursziels von 200 auf 210 Euro, das Rating „Buy“ bekräftigten sie. Die Einschätzung passt zu einer Reihe von Kurszielerhöhungen, die im Sommer die Runde machten. Nicht alle Marktbeobachter teilen den Optimismus uneingeschränkt: Anfang Juli hatte Barclays das Papier von „Equal Weight“ auf „Underweight“ abgestuft und ein Kursziel von 130 Euro ausgegeben – als Begründung nannte das Haus die aus seiner Sicht außergewöhnlich hohe Bewertung von damals rund 130 Milliarden Euro. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei 130,64 Milliarden Euro, die seither erfolgte Kursrally hat die Bedenken von Barclays bislang nicht bestätigt.

Nachfrageschub aus Rechenzentren

Ein wesentlicher Wachstumstreiber liegt im Geschäft mit Gasturbinen. Die Bestellungen im Bereich Gas Services legten um 80 Prozent auf 8,75 Milliarden Euro zu, rund ein Viertel der neuen Aufträge geht auf den Boom bei Rechenzentren zurück. Die Lieferzeiten für Gasturbinen reichen inzwischen bis in das Jahr 2030 – ein Indiz dafür, dass die Nachfrage nach Energieinfrastruktur für Künstliche Intelligenz das Geschäft von Siemens Energy noch über Jahre stützen dürfte. Zusätzliche Kapazitäten schafft der Siemens-Konzern in den USA: Dort kündigte Siemens Anfang August eine Investition von 185 Millionen US-Dollar in eine neue Fabrik in Jackson County, Georgia, an, die 1.400 Arbeitsplätze schaffen soll.