Siemens Energy sammelt weiter Aufträge aus dem Boom der Rechenzentrums-Infrastruktur ein und untermauert damit die Zuversicht des Managements nach einem starken dritten Quartal. Während der Aufsichtsrat über eine mögliche Abspaltung der Industriesparte berät, liefern konkrete Geschäftsabschlüsse der vergangenen Woche den eigentlichen Beleg für die operative Stärke des Konzerns.

Milliardenaufträge für Rechenzentren und Offshore-Öl

Das US-Unternehmen Babcock & Wilcox hat vergangene Woche eine Vereinbarung mit Siemens Energy über 20 Dampfturbinen-Generatorsätze mit einer Gesamtleistung von 1 Gigawatt geschlossen – die Systeme sind für den Einsatz in KI-Rechenzentren vorgesehen.

Wenige Tage zuvor hatte bereits der Anlagenbauer SBM Offshore Siemens Energy mit der Lieferung von Gaskompressions- und Stromerzeugungssystemen für zwei Petrobras-Förderplattformen im brasilianischen Sergipe-Alagoas-Becken beauftragt.

Beide Aufträge zeigen, wie breit die Nachfrage nach Energie-Infrastruktur des Konzerns inzwischen gestreut ist – von der klassischen Öl- und Gasindustrie bis zur Stromversorgung für Rechenzentren.

CEO Christian Bruch hatte bereits Anfang des Monats in einem Interview mit Bloomberg TV erklärt, die hohe Nachfrage nach Strominfrastruktur für KI-Rechenzentren sei keine Blase. Bestehende Reservierungen würden derzeit im Verhältnis eins zu eins in feste Aufträge umgewandelt, so Bruch. Die jüngsten Vertragsabschlüsse mit Babcock & Wilcox und SBM Offshore liefern nun konkrete Beispiele für diese Umwandlungsdynamik.

Starkes Quartal als Fundament

Grundlage der aktuellen Zuversicht ist das Ende Juli abgeschlossene dritte Quartal 2026: Siemens Energy hatte einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro gemeldet, der Umsatz stieg deutlich. Das bereinigte EBITA verdreifachte sich im Jahresvergleich auf 1,623 Milliarden Euro. Der Konzern bestätigte daraufhin, dass die EBITA-Marge für das Gesamtjahr am oberen Ende der Prognosespanne von 10 bis 12 Prozent liegen dürfte.

Auch die Windkrafttochter Siemens Gamesa trägt inzwischen zum positiven Bild bei: Mit einem EBITA von 75 Millionen Euro erzielte die Sparte im dritten Quartal das erste positive operative Quartalsergebnis seit 2022, nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum.

Rückenwind kommt dabei auch vom Wettbewerber Vestas, der seine Margenprognose für das Gesamtjahr angehoben hat – ein Signal, das der Branchenexperte im Sektor als Indiz für steigende Profitabilität in der Windkraft insgesamt wertet.

Kursreaktion und Ausblick

Die Aktie von Siemens Energy schloss am Montag bei 163,00 Euro, nach einem Plus von 1,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Kursgewinn von 7,6 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf 35 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, erreicht im April, fehlen der Aktie derzeit 17 Prozent.

Für den weiteren Verlauf des Jahres richtet sich der Blick auf mehrere Termine: Ende August steht eine Investoren-Roadshow in Asien an, Anfang September die Teilnahme an der Commerzbank & ODDO BHF Corporate Conference.

Die Zahlen zum vierten Quartal und Gesamtjahr 2026 will der Konzern am 11. November veröffentlichen. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob sich die Auftragsdynamik aus Rechenzentren-Infrastruktur und Offshore-Geschäft in ähnlichem Tempo fortsetzt wie zuletzt.