Mehr als 50 % Kursgewinn innerhalb eines Jahres machen Siemens Energy zu einer der auffälligsten deutschen Industrieaktien. Am Donnerstag legte das Papier nochmals leicht auf rund 145 Euro zu. Das ist indes noch immer enttäuschend. Denn die Aktie müsste mindestens die Marke von 150 Euro überwinden, um Charttechniker halbwegs überzeugen zu können. Doch immerhin haben in den vergangenen Wochen und Monaten Analysten ihre Ansprüche formuliert: Die Aktie müsste auf über 195 Euro steigen können.

Siemens Energy: Die Voraussetzungen sind gut

Der Grund für die Neubewertung liegt in einem Engpass, der weltweit größer wird: Strom. Rechenzentren, Elektromobilität, Industrie und erneuerbare Energien erhöhen gleichzeitig den Bedarf an Netzen und Erzeugungskapazitäten. Siemens Energy sitzt damit an mehreren Stellen einer stark wachsenden Investitionskette. Netztechnik gehört ebenso dazu wie Gasturbinen und industrielle Energielösungen. Der Konzern passt zugleich seine Organisation an. Transformation of Industry soll eigenständiger werden. Damit können Investitionen und Ergebnisverantwortung stärker auf das jeweilige Geschäft zugeschnitten werden.

Analysten sehen weiterhin aus diesen Gründen Potenzial, obwohl die Aktie inzwischen eine völlig andere Bewertung besitzt als während der Krise bei Siemens Gamesa. JPMorgan blieb zuletzt bei seiner positiven Einschätzung von extremen Kurszielen bei 245 Euro. Interessant ist zugleich die Entwicklung im Technologiesektor. Unternehmen wie SpaceX suchen eigene Lösungen für Energieengpässe des KI-Booms. Das könnte langfristig neue Wettbewerber oder Kundenmodelle hervorbringen.

Für Siemens Energy bleibt der kurzfristige Auftrag jedoch klar: Die hohe Nachfrage nach Energieinfrastruktur muss in steigende Ergebnisse umgesetzt werden. Nach dem Kursanstieg von mehr als 50 % binnen eines Jahres ist die Börse bei dieser Umsetzung deutlich anspruchsvoller geworden. Deshalb ist der Abwärtsmarsch durch Gewinnmitnahmen nicht so überraschend.